In der Beziehung hatte Diermann Sorgen. Wie schwer fiel es ihm nicht, die Kleider für die vier herbeizuschaffen! Er mußte auf seine alten Tage noch Pensionäre halten, und wenn sie ihn zur Ruhe setzten – was dann? Er hörte von Tag zu Tag schwerer. Ja, das knappe Gehalt für einen Familienvater! Und hier diese sogenannten Kolleginnen bezogen für sich allein so viel Geld! Wozu brauchten sie es denn? Doch nur für Putz!

Er richtete einen bösen Blick auf Mai.

Sie übte keine Wirkung auf ihn aus, lächelte aber so freundlich, wie sie gewohnt war, Männer anzulächeln. Einmal fiel es doch hoffentlich auf den richtigen Boden, wenn es auch auf keinen Fall der Professor Diermann sein sollte!

»Gut geschlafen?« fragte er bissig die Oberlehrerin. »Ja, in unseren Jahren – –«

Er freute sich, daß er ihr einen Stich versetzt hatte. Sie gab ihn rasch zurück, indem sie ganz leise antwortete: »Haben Sie unser Fräulein Doktor schon gesehen?«

Ihr wichtiges Gesicht machte ihn unruhig – was hatte sie gesagt? Er hatte nichts verstanden, obwohl er ihr das beste Ohr hingehalten hatte. Rasch schaute er ringsum.

Da rief ihm die Haberkorn laut entgegen: »Das – Fräulein Doktor –!«

Hastig fuhr er zurück und starrte zur Tür – da stand aber nur Mehlmännchen, die in ihre Klasse wollte.

»Hm,« sagte er nur. Sein Blick wurde eine Sekunde höhnisch. Nach einigem Irren traf er sich mit dem der Oberlehrerin.

Jetzt läutete es.