Ein Schreck lief ihr durchs Herz.

»Du –« sagte sie.

Es war noch immer das alte Pechkind, über das die jungen Damen im Erziehungskasten so gelacht hatten. Es mußten noch manche andere über das Mädchen gelacht haben, so arm stand es da, so scheu, so still. Das Gesicht, das nie hübsch gewesen war, war jetzt alt, sehr, sehr alt, verblichen und geschrumpft.

Schweigsam folgte sie Christiane in das Arbeitszimmer, matt sah sie zur ›eisernen Wehr‹ auf, hastig drehten ihre Finger den Briefumschlag, den sie mitgebracht hatte. Sie wagte sich kaum zu setzen.

»Du möchtest hier am Reutterschloß unterrichten?«

»Die Damen haben mir den Rat gegeben,« flüsterte die Wehrendorf, »ich sollte ... ich weiß ja nicht ...«

Christiane griff nach den Papieren.

»Zuletzt erzogst du meine kleine Nichte – –?«

»Ein Jahr,« antwortete die Wehrendorf. Sie vermied jede direkte Ansprache, denn sie wußte nicht, ob sie das Fräulein Doktor noch so anreden durfte, wie die sie. »Ich habe schon viele Stellungen gehabt.«

»Wo warst du überall?«