»Damals aus der Schweiz ging ich nach der Lüneburger Heide. Dann –« Ada suchte in ihrem Gedächtnis. »Dann ging ich nach dem Rhein. Nach Mainz.«
»Nach Mainz,« sagte Christiane.
»Da hab ich es sehr gut gehabt. Ich wär so gern geblieben, die Leute haben mich auch gemocht. Und die Kinder erst – Schön war's –! Aber da wurde ich krank.« Ihre Blicke flirrten.
»Was fehlte dir?«
»Die Nerven,« murmelte Ada, »und ein bißchen an der Lunge. Erschöpfung. Danach wurde ich Erzieherin in einer Anstalt für verwahrloste Mädchen.« Sie schauderte ein wenig. »Das war schwer. Sehr schwer. Da ging ich –« sie ließ plötzlich die Hände sinken, »ach, ich weiß es nicht mehr auswendig, es war so viel. Ich hab kein Glück gehabt. Ich hab kein Glück gehabt.«
In ihren Augen brannte eine verzehrende Angst.
»Und ich habe doch immer so gern gearbeitet,« sagte sie. Christiane schlug die Papiere auseinander. Vor allem suchte sie das Zeugnis heraus, das Ludwig geschrieben hatte. Es sagte gar nichts. Er hat ihr nicht den Weg verlegen wollen, dachte sie und durchblätterte die anderen Bogen – so hatten die übrigen auch gedacht! Doch – da auf dem einen stand: ›Körperlich sehr wenig geeignet.‹
Sie sah das schmächtige Mädchen wieder an.
»Hast du niemals an einen anderen Beruf gedacht?«
»Umsatteln?« fragte die Wehrendorf erschrocken, »das kann ich ja gar nicht! Wie denn? Was denn? Ich mag doch nichts anderes – ich passe zu nichts anderem – die Kinder immer um mich zu haben – o, das ist schön! Ich mag die Kinder so gern! Es war mir so schrecklich, daß ich immer wieder aussetzen mußte!«