Sie senkte das Gesicht.

Christiane überlegte. An der Schule war noch die Stelle des Akademikers unbesetzt, der abgegangen war, als ihre Ernennung bekannt wurde. An Herren waren außer dem Professor nur der kleine Oberlehrer Doktor Korn, der Junggeselle Dreher und der blonde Zeichenlehrer da, von dem es hieß, daß er ein verunglückter Künstler sei. Alle Kräfte waren sehr überlastet. Man konnte die Wehrendorf vielleicht versuchsweise eintreten lassen. Aber Christiane wußte zugleich, daß sie damit eine Verantwortung übernahm.

Sie legte die Papiere zusammen. »Ich kann dir jetzt noch keinen Bescheid geben. Morgen sollst du wissen, ob du Aussichten hast.«

Die Wehrendorf stand auf.

»Wo wohnst du?«

»Im christlichen Hospiz.«

Das Mädchen verneigte sich. Christiane drückte ihr die Hand. Ada ging zur Tür.

Da sah Christiane etwas Merkwürdiges. Es war nur eine Schulterneigung, eine einzige, geringe Haltungsveränderung. Aber sie sagte: bis morgen ertrage ich es nicht mehr. Es kommt auch nichts. Es wird auch nichts. – – – Es soll zu Ende sein.

Sie eilte ihr nach.

Es rief in ihr: hilf ihr! Hilf einer Schiffbrüchigen, einer der ärmsten unter den Frauen, einer, der nach Schaffen hungert und der es nicht gegeben wird. Gib ihr einen sanften Platz, einen Anfang – dann wird sie sich schon hineinfinden. Sie bringt alle Liebe mit. Nimm es auf dich, auch einmal gegen deine Pflicht zu handeln.