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Es war nach einem Abendessen beim Regierungsrat von Cöldt.
Der Kreis war nur klein, denn große Gesellschaften gaben Cöldts nicht, nur das Allernotwendigste, denn die Hausfrau war zu leidend.
Übrigens sah sie an dem Abend sehr gut aus, oder sah sie abends immer besser aus? Es war viel Reiz an ihr, etwas gradezu sentimental Schmachtendes. Und doch wußte man in der Stadt, daß sie nicht schmachtete, oben und unten wußte man's; oben durch ihre Frauenvereinsdamen, unten durch die Dienstboten. Schon manches hübsche Mädel, das im Hause gewesen war, hatte dem schlanken Hausherrn mitleidig und verlangend nachgeguckt.
Er hatte jetzt eine merkwürdig stille, verschlossene Art, und grade die widerstrebte Christiane plötzlich an ihm. Absichtlich, um ihn aufzuscheuchen, um zu forschen, brachte sie die Rede auf die Ostmark.
Sie saßen im Salon. Herren und Damen waren nach Tische nicht getrennt worden, aber es hatte sich in dem großen Raume von selbst eine gewisse Schiebung vollzogen: links mehr das männliche, rechts fast nur das weibliche Element. Christiane saß bei den Herren.
Der Präsident war auch anwesend.
Sonst fiel ihr nur der Assessor Wratislaw von Wratislawski auf, trotz seines Namens ein Deutscher, von großer Rassenhäßlichkeit. Er hatte einen Doggenkopf, der durch die Korpsstudentenspuren und das Lebemannsdasein fast gefährlich ausdrucksvoll geworden war. Seine Sprechweise störte; er redete so zart meckernd, daß man unwillkürlich glaubte, er hätte noch eine andere in der Tasche, wie etwa ein zweites Paar Handschuhe. Seine Blicke waren heimlich über Christiane hingeschossen, aber sie war nicht nach seinem Geschmack. Er sollte allerhand Verhältnisse in Bürgerkreisen haben.
Der Assessor, der auch im Posenschen bekannt war, horchte bei Christianens Worten auf und meinte, die Sache ginge jetzt ja gut voran. Er sei vor einiger Zeit mal wieder durch Posen gekommen und hätte nur immer gestaunt, wie sich alles verwandelt habe. Überall neue Häuser und Großstadtstraßen! Alles ganz preußisch!
Ludwig sah auf.