Ende.
Druck von Johann N. Vernay, Wien, IX., Mariannengasse 17.
Der Wunderrabbi.
Roman von J. Thenen.
8. 293 Seiten. Preis fl. 2.– oder M. 4.
Der Reiz dieses Buches liegt in der vortrefflichen Ausführung. In Scenen voll dramatischen Lebens erkennen wir die Macht des Rabbi über die verblendeten Geister – eine Macht, der selbst der christliche Edelmann im Falle der Bedrängniß huldigt; aber wir erkennen auch die ganze – Tiefe dieses Aberglaubens, indem wir Einblick in den Charakter des Rabbi erhalten, der ein wunderliches Gemisch von Selbstsucht, Aberglauben und Zelotismus ist. Dann führt uns die Dichterin mit gleicher Kunst in das elende, vom Unglücke erfüllte Haus seiner tragischen Gegner, und so reiht sich Bild an Bild, Scene an Scene, die uns – die Handlung immer weiter leitend – in den Charakter und Geist jener eigenthümlichen Menschen hineinblicken lassen. In einzelnen Capiteln erreicht die Dichterin eine tragische Größe; in anderen entfaltet sie herrlichen Humor. Ueberall aber verräth sie eine ganz intime Kenntniß nicht blos der Sitten und Gebräuche jener Menschen, sondern auch ihres eigenthümlichen Geistes, jener spiritualistischen Denkweise, die aus der völligen Durchdringung des Lebens durch den Glauben entstammt. Sind doch alle die Geschichten und Schicksale, die sie erzählt, mehr oder weniger thatsächliche Geschehnisse. Und selbst aus der Darstellung athmet der Geist des Volkes, der so einseitig sich nur dem Menschengeiste und dem Glauben zuwendete, der Natur jedoch, ihrer Schönheit, ihrem Genusse sich so fernhielt. In diesem Sinne ist es charakteristisch, daß im ganzen Buche nur zwei kleine landschaftliche Schilderungen vorkommen, die aber freilich recht hübsch sind. Kurz, es ist ein Buch, das ein männlicher Geist in einem dichterischen Frauenkopfe ersonnen.
»Neue Freie Presse.«
Der Wunderrabbi.
Roman von J. Thenen.
8. 293 Seiten. Preis fl. 2.– oder M. 4.
Die Verfasserin hat das Leben und Treiben dieses Chassiden studirt und hat »halb Wahrheit, halb Dichtung« wirkliche Vorkommenheiten zu einer spannenden Erzählung vereint, die, ohne als Culturstudie gewollt zu sein, den Zweck einer solchen in reichstem Maße erfüllt. Der crasse Betrug, die wilde Habgier, die niedrige Genußsucht, welche dem ganzen Dichten und Trachten dieser Chassidengemeinden Bewegung geben, sind ohne Scheu mit der vollsten und behaglichsten Naturwahrheit gezeichnet. Die talentvolle Beobachterin hat in ihrem Buche jedes Mäntelchen verschmäht und gibt ungeschminkt und unverhüllt die Wirklichkeit. Dieser Reiz der Unmittelbarkeit und des kaustischen Humors aber ist es, der unvermindert in den ersten Seiten fesselt und anhält bis zu jenem Punkte, wo die Handlung den Boden verläßt, auf dem die Wunderrabbis gedeihen, und, Jahre überspringend, harmonisch ausklingt. Das Buch wird von Laien um seiner reichbewegten Handlung und seiner farbenkräftigen Schilderungen, von dem Culturforscher aber deshalb mit Vergnügen gelesen werden, weil das Erzählte und Geschilderte wahr ist.