»Sie kennen meine Anspruchslosigkeit in dieser Beziehung, mein gnädiger Fürst« — — entgegnete Sidonie.
»Ich weiß, ich weiß!« fiel dieser ein und setzte dann hinzu: »Aufrichtig gestanden, wäre es mir lieber, Sie beobachteten das Gegentheil davon und zögen sich nicht so sehr in Ihre Abgeschlossenheit zurück; vielleicht würde sich alsdann Manches besser gestalten.« —
Diese Bemerkung bezog sich auf das eheliche Verhältniß der Prinzessin.
»Sie überraschen mich in der That durch Ihre Worte, mein Fürst, die ich heute am wenigsten erwartet hätte!« fiel Sidonie ein und blickte ihn an.
Der Fürst mochte wol fühlen, daß sie sich im Recht befand, und darum fragte er:
»Hat sich der Prinz bei Ihnen entschuldigt?«
»Entschuldigt?!« fragte Sidonie mit Befremden und fügte hinzu: »Wie sollte ich, mein Fürst, dergleichen erwarten dürfen? Sie wissen, wie ich mit dem Prinzen stehe, und kennen seinen Charakter zu gut, um ihm eine Handlung der Höflichkeit gegen mich fähig zu halten, auf welche ich schon seit langer Zeit keinen Anspruch mache.«
»Ich glaube Ihnen das, denn ich habe erkannt, daß Sie resignirter sind, als ich erwartet habe; aber bedenken Sie, liebste Prinzessin, wohin das führen soll! Eine Ehe, die nur dem Namen nach besteht, hat mit Bezug auf die Erbfolge ihre wichtigen Bedenken, besonders wenn die letztere nicht gesichert ist. Wollten Sie das nicht in Erwägung ziehen und mancherlei übersehen, was Ihr vielleicht zu feines Zartgefühl verletzt? Der Prinz ist ein wenig leicht und liebt die heiteren Genüsse, dabei läßt sich nicht immer eine bestimmte Grenze festhalten; das ist einmal nicht anders. Auch ist man an diese Dinge so ziemlich gewöhnt und es bestehen unter ähnlichen Verhältnissen ganz leidliche Ehen, die in Bezug auf die Thronfolge nichts zu wünschen übrig lassen.«
»Bei Ihnen ist das etwas Anderes, und Sie müssen bedenken, daß bei Ehen, wie die Ihrige, mehr die Klugheit als die Neigung maßgebend wird, wenn dergleichen Zerwürfnisse dazwischen treten. Es ist mir lieb, daß Sie sich einen Cirkel von Ihnen angenehmen Personen gebildet haben; der Prinz legt Ihnen in dieser Beziehung nichts in den Weg; Sie sollten dies anerkennen, und ich dächte« — der Fürst sprach die folgenden Worte mit einer eigenthümlichen Betonung — »es müßte Ihnen unter solchen Umständen nicht zu schwer werden, ja vielleicht erwünscht sein, ein leidliches Verhältniß zwischen sich und dem Prinzen wieder herzustellen.«
Sidonie hatte aufmerksam zugehört und schaute ihn, als er schwieg, mit Befremden an.