»Sie kennen unsere gegenseitige Abneigung; was wäre also durch meine frühere Rückkehr gebessert worden. Die Prinzessin verlangt nicht nach meinem Anblick, und ich, ich gestehe es, eben so wenig nach dem ihrigen.«
»Wenn dem auch so ist, so sind Sie ihr doch eine gewisse Rücksicht vor der Welt schuldig; wenn Sie ihr diese nicht schenken, so können Sie sich auch nicht über ihre Gleichgiltigkeit beklagen.«
»Ich bin weit entfernt, dies zu thun —«
»So ist auch unter solchen Umständen an keine Aussöhnung zwischen euch zu denken!« fiel der Fürst gereizt ein.
»Ich wenigstens habe diese längst aufgegeben,« warf der Prinz hin.
»Das ist eben Ihr Unrecht, und man erkennt daraus, daß Ihnen das Staatsinteresse ziemlich gleichgiltig ist und es Ihnen nicht beliebt, zu erwägen, daß in solcher Weise der Zweck Ihrer Vermählung nicht erreicht werden kann. Ich sage Ihnen, Prinz, das muß anders werden, und erinnere Sie an die Pflichten, die Sie als künftiger Regent haben. Auch, meine ich, könnte eine Beschränkung und Aenderung Ihrer Lebensweise nichts schaden; Sie schädigen dadurch Ihren Körper und lassen sich von den ernsteren Staatsgeschäften abhalten. Das geht so länger nicht, darum kommen Sie zur Einsicht, und vor allen Dingen seien Sie bedacht, wieder ein gutes Verhältniß zwischen sich und Ihrer Gemahlin herzustellen. Ich habe soeben mit der Prinzessin darüber gesprochen und denke, sie ist nicht abgeneigt, das Ihrige dazu beizutragen, sobald Sie selbst ihr in entsprechender Weise entgegen kommen. Sie wissen, ich übersehe Vieles in Ihrem tollen Leben, was ich auch nicht billige; aber Alles muß seine Art und Grenzen haben und dabei nicht das Interesse des Staats in Frage kommen. Ich erwarte daher mit Bestimmtheit, heute nicht vergebens zu Ihnen gesprochen zu haben. Der heutige Tag bietet einen sehr passenden Anknüpfungspunkt zu einer Versöhnung mit der Prinzessin dar, benutzen Sie denselben und Sie werden mich dafür dankbar finden.« Der Prinz blickte schweigend zu Boden; er war viel zu feig, um dem Oheim offen zu widersprechen, obwol er nicht die geringste Neigung fühlte, dessen Wünsche zu erfüllen, und dies um so weniger, da er die Voraussetzung hegte, der Fürst wäre durch die Prinzessin zu der soeben vernommenen Ermahnung bestimmt worden.
Es lag in seiner Natur, dem Mächtigeren gegenüber sich schweigend und leidend zu verhalten, um, von dem Zwange wieder befreit, seinen Neigungen um so mehr die Zügel schießen zu lassen, wie dies alle feigen und leichtsinnigen Charaktere zu thun pflegen.
Der Fürst ließ sich, was unter ähnlichen Umständen schon häufig der Fall gewesen, durch des Prinzen demüthiges Schweigen täuschen und hielt sich überzeugt, daß seine Worte den erwünschten Erfolg erzielen würden. Darum forderte er den Prinzen nach kurzer Pause auf, ihm zu der Prinzessin zu folgen, indem er zugleich seine Freude ausdrückte, aus dessen Verhalten auf seine Folgsamkeit schließen zu können.
Bei den Damen angelangt, ersah der Fürst einen passenden Augenblick und flüsterte der Prinzessin zu:
»Der Prinz erkennt sein Unrecht und wird Ihnen die Hand bieten; ich rechne auf Ihre Milde und — Klugheit.«