Also begrüßte die Baronin den ehemaligen Diener und reichte ihm die Hand, die Robert respectvoll küßte. Nach ihm nahte sich ihr das Mädchen, knixte mehrmals und bezeigte ihr ihre Ehrfurcht gleich ihrem Vater durch einen Handkuß.

»Sieh, sieh, das Mädchen hat sich sehr gut ausgewachsen! Die Waldluft und Einsamkeit scheinen dazu sehr geeignet zu sein,« bemerkte die Baronin, Mariane, so hieß das Mädchen, mit Ueberraschung und Wohlgefallen betrachtend, und schaute alsdann ihren Sohn an, der gleich ihr das in der That reizende Mädchen mit ähnlichen Gefühlen anblickte.

Die ganze Jugendfrische ihres Alters lachte aus dem rosigen, lieblich geformten, feinen Antlitz, den dunkeln, blitzenden Augen und der nicht minder schön geformten Gestalt, der ein Anflug von Unbefangenheit und Keckheit einen ganz besondern Reiz verlieh. Mutter und Sohn tauschten einen verständigenden Blick aus, der ihre Uebereinstimmung des Urtheils über das Mädchen verrieth.

»Also Mariane will sich hier versuchen?« fragte die Baronin.

»Sie brennt vor Verlangen darnach, gnädigste Frau Baronin. Das Kind ist so lebhaften Geistes und möchte gleich einem Vogel aus dem Walde fliegen, der ihr schon lange zu enge und einsam ist,« entgegnete Robert mit einem Seitenblick auf seine Tochter, deren lebhafte Mienen des Vaters Worte durchaus bestätigten.

»Ist ihr auch nicht zu verdenken. Denn die Jugend verlangt nach dem Treiben der Welt, und mir scheint, daß Mariane sich auch besser dazu als zu einem eintönigen Leben im Walde eignet,« fiel die Baronin ein und wandte sich alsdann an diese mit der Frage:

»Du möchtest also gern aus Deinem Nest fliegen und Dich an dem glänzenden Leben hier ergötzen?«

»Ach, von Herzen gern!« sprach Mariane rasch und unbefangen und schaute die Baronin mit vor Verlangen funkelnden Blicken an.

»Nun, es könnte sich wol eine Stelle hier für Dich finden,« meinte die Baronin, das Mädchen mit prüfenden Blicken betrachtend.

»Tausend, tausend Dank, gnädigste Frau Baronin!« fiel Mariane ein, nahte sich ihr rasch und küßte ihr unter Knixen wiederholt die Hand.