»Das könnte durch die Lieben geschehen; gefällt sie dem Prinzen, so werde ich ihr die Nothwendigkeit vorstellen, ihren Aufenthalt nicht nach der Residenz oder irgendwo anders zu verlegen, um den Prinzen hier zu fesseln und so des Fürsten Wunsch zu erfüllen; da sie sich dadurch des Letzteren Dank sichert, so erfordert es schon die Klugheit, sich um ein solches Arrangement zu bemühen.«

»Ein vortrefflicher Plan! Und glauben Sie, daß es der Lieben gelingen dürfte?«

»Ich zweifle nicht daran. Das Mädchen ist eben so klug als schön, und ihre Mutter hat früher hinreichende Erfahrungen in diesem Punkt gemacht, um ihr dabei nicht würdig zur Seite stehen zu können.«

»So hätte ich ja die besten Aussichten für die Zukunft, besonders da auch der Mann, der, wie Sie meinen, einen gewissen Eindruck auf die Prinzessin gemacht hat, abgereist ist.«

»Ich zweifle nicht daran. Ich werde dem Prinzen in den nächsten Tagen die Gelegenheit verschaffen, die Lieben bei mir zu sehen. Lausche ihm die rechte Stimmung dazu ab und sorge dafür, daß ich seinen Wunsch zur rechten Zeit erfahre, um das Weitere zu veranlassen. Vielleicht nimmt der Prinz das Souper bei mir ein, dabei läßt sich eine nähere Bekanntschaft zwischen den Beiden leicht und bequem einleiten.«

»Ich werde nach Ihrem Rath verfahren und freue mich, daß wir endlich ein Mittel besitzen, das uns die erwünschten Erfolge in Aussicht stellt,« entgegnete der Baron und erhob sich.

In diesem Augenblick trat ein Diener mit der Meldung ein, daß der Castellan Robert des fürstlichen Lustschlosses Waldburg mit seiner Tochter angelangt sei und die Baronin zu sprechen wünsche.

»So, ist der Robert da und seine Tochter auch?« fragte die Baronin und fügte hinzu: »Das ist mir lieb. Lass’ sie hereinkommen!« und bemerkte alsdann gegen ihren Sohn: »Robert war vor einigen Wochen bei mir und bat mich, seiner Tochter, die ein hübsches Mädchen von siebenzehn Jahren ist, eine Stelle als Kammerzofe zu verschaffen. Ich sagte ihm das zu, da ich Robert wegen seiner früheren Dienste bei uns eine gewisse Rücksicht schulde. Wenn mir das Mädchen gefällt, nehme ich sie vielleicht zu mir. Ich habe Robert mit seiner Tochter zu mir bestellt, um mir diese anzusehen. Willst Du vielleicht dabei sein, so begleite mich zu ihnen. Robert wird sich freuen, den ehemaligen Junker nun als Mann wieder zu sehen.«

Der Baron war damit einverstanden, nahm den Arm seiner Mutter und führte sie nach dem Zimmer, in welchem sie von den bezeichneten Personen erwartet wurden.

»Nun, Robert, sind Sie da?«