»O, daran ist bei dem Mädchen nicht zu denken! die ist spröde und scheu, wie ein Reh.«

»Du scheinst also schon Dein Glück bei ihr versucht zu haben?« fragte der Prinz.

»Nun, Hoheit wissen, ich bin gegen das schöne Geschlecht stets höflich.« —

»Aber es half Dir bei dem Mädchen nichts; Deine schönen Redensarten fanden keinen Beifall?« fiel der Prinz lachend ein.

»Ich gestehe es zu meiner Schande, Hoheit, ich bin dieses Mal total durchgefallen,« erklärte der Diener offenherzig.

Dem Prinzen schien diese Mittheilung viel Vergnügen zu bereiten, er lachte anhaltend, während er den Diener wegen seines Fiasco bespöttelte.

»Dir ist ganz Recht geschehen,« sprach er; »wie konntest Du auch vergessen, daß ein so schönes Mädchen vielleicht auch vor anderen Augen Gnade finden dürfte.«

»Sie scheint das zu wissen; denn ich versichere Eurer Hoheit, sie that so stolz wie eine Königin, so daß man sich neben ihr ganz klein vorkam und Respect vor ihr fühlte. Ich bin gewiß, die hat noch Keinem gestattet, sie anzurühren. Es ist eine starrköpfige Creatur.«

»So ist’s recht, so ist’s recht, mache Deinem Aerger Luft, damit Dich der böse Alp im Schlaf nicht drückt und Du durch Deinen Angstgeschrei die Leute hier aufweckst!« rief der Prinz, immer heftiger lachend. Mit diesen Worten begab er sich zu Bett und der Diener in das Vorgemach, woselbst er die Nacht zubringen sollte.

Die Befürchtungen des Prinzen trafen jedoch nicht ein, sondern Henry erfreute sich des gesundesten Schlafes, und das hatte seine guten Gründe, die wir später kennen lernen werden.