»Ich gestehe, mein Prinz, daß mein Vorschlag zu diesem Jagdausflug lediglich die Befriedigung Ihres Verlangens in sich schloß, nachdem ich so glücklich gewesen, Kenntniß von des Mädchens Aufenthalt zu gewinnen. Es erging mir wie Ihnen, Hoheit; meine Erwartungen wurden bei Marianens Anblick übertroffen, und um Ihnen einen ungetrübten Genuß zu verschaffen, erlaubte ich mir die heutige Ueberraschung,« entgegnete Mühlfels, über das so herrliche Gelingen seines Planes sehr erfreut.

»Ich verdanke Ihnen dadurch einen neuen Reiz zum Leben, das für mich in dem Umgang mit diesem Mädchen wieder Werth erhalten wird. Denn ich bin überzeugt, Mariane wird sich für die Folge bewähren und es verstehen, mich dauernd und angenehm zu beschäftigen. Auch wird es mir kein geringes Vergnügen bereiten, dieses Naturkind auszubilden. Sie singt gut, besitzt also musikalische Anlagen; das paßt zu meiner eigenen Vorliebe für die Musik. So kann ich das geträumte Idyll verwirklichen, und das wird mir für lange Zeit Reiz und Zerstreuung gewähren. Alles Uebrige überlasse ich Ihnen und Ihrer Mutter, Mühlfels. Besorgen Sie mir vor allen Dingen die Villa um jeden Preis, hören Sie, um jeden Preis, ja, sollte der Besitzer den Verkauf etwa verweigern, so nennen Sie ihm selbst den Käufer. Ich muß diesen reizenden Käfig für meinen Waldvogel haben. Dem Vater des Mädchens und diesem selbst sichern Sie in meinem Namen alle Forderungen zu, die etwa gethan werden sollten. Lassen Sie sich, sobald wir zurückkehren, eine Summe — zehn-, zwanzigtausend Thaler oder mehr, wie Sie wollen und es für nöthig erachten — geben und händigen Sie diese zur Ausstattung dem Mädchen oder dessen Vater ein. Ich will überdies selbst nach der Residenz und für die Kleine allerlei hübsche Sächelchen einkaufen. Sprechen Sie jedenfalls noch heute mit Robert. Meine Ungeduld ist groß, und ich will über Alles Gewißheit haben.«

Während dieser Mittheilungen hatten sie das Forsthaus erreicht und der Prinz sah sich dadurch von weiteren Erörterungen abgehalten.

Die Jagd hatte längst jeden Reiz für ihn verloren; er fügte sich jedoch und spielte, so gut er es vermochte, den Schützen. Trotz der dadurch gebotenen Aufregung beschäftigte ihn jedoch fortwährend die Erinnerung an Mariane, und so war es ihm angenehm, als sie sich endlich dem See näherten, woselbst die Jagd enden sollte.

Zufälliger Weise erblickte der Prinz von seinem Standort aus das Schloß, und dieser Umstand steigerte seine Ungeduld, sich wieder in Marianens Nähe zu befinden, so sehr, daß er noch vor Beendigung der Jagd nach dem ersteren zurückkehrte.

Mit erhöhter Freude erkannte Mühlfels den Beweggrund zu dieser Eile, aus der er die Ueberzeugung von dem tiefen Eindruck schöpfte, den Mariane auf den Prinzen erzeugt hatte. Nichts hätte ihm erwünschter kommen können; denn diese Ungeduld, besonders aber die Begegnung des Prinzen mit Marianen und das vortreffliche Benehmen der Letzteren ließen ihn mit Bestimmtheit annehmen, daß es dem Mädchen gelingen würde, den Prinzen nicht nur vorübergehend an sich zu fesseln.

Welche Folgen sich an diesen Umstand knüpfen mußten, war für ihn keine Frage mehr, und er sagte sich, daß diese Liaison ihm den Weg zu Sidoniens Herzen eröffnen mußte.

Mit Genugthuung erkannte er die vortrefflichen Wirkungen seiner Rathschläge und Anordnungen, wodurch er des Prinzen romantische Stimmung zu erhalten und für die Begegnung mit Marianen vorzubereiten bedacht gewesen. Denn sowol Marianens Gesang, als auch Henry’s Bericht über sie, der lediglich erfunden war, so wie das Geschenk des Kranzes waren lediglich auf des Barons Angabe erfolgt; ja Mariane hatte sich sogar nach seiner Anweisung kleiden müssen, so wie er ihr dann auch des genauesten ihr Benehmen gegen den Prinzen vorgezeichnet hatte.

Freudig unterzog sich das Mädchen seinen Anordnungen, von dem Gedanken entzückt, sich dem Prinzen angenehm machen zu können; denn den eigentlichen Beweggrund zu den ersteren ahnte sie nicht. Des Prinzen liebreiches Benehmen und kostbares Geschenk hatten ihre Seele in den freudigsten Aufruhr versetzt.

Den blitzenden Ring fest mit der Hand bedeckend, eilte sie nach Hause, um ihren Eltern und Freunden ihr Glück zu verkünden und ihnen das prächtige Geschenk der Hoheit zu zeigen.