Der Prinz fühlte sich in dem endlichen Besitz Marianens außerordentlich glücklich. Seine Leidenschaft für dieselbe steigerte sich mit jedem neuen Tage. Er führte fortan, wie er es gewünscht, in der That ein idyllisches Leben, und jede Stunde, die er irgend abmüßigen konnte, brachte er in der Villa zu.
Jetzt war auch für Mühlfels der Zeitpunkt gekommen, sich Sidonien zu nähern, und er konnte dies um so bequemer und häufiger thun, da der Prinz ihm die vollste Freiheit und Muße gewährte. Seine Bemühungen, durch seine Mutter unterstützt, waren wohl berechnet und verfehlten darum die beabsichtigten Wirkungen auf Sidonie nicht. Bedacht, ihr die Wünsche abzulauschen und sie durch deren Erfüllung zu überraschen, viel zu vorsichtig und geschickt, seine Absicht zu verrathen, erschien er stets als der ergebene Diener und theilnehmendste Freund der Prinzessin, dem sie ihre Dankbarkeit für seine Ergebenheit nicht versagen durfte. Seine Vorschläge für die Unterhaltungen zum nächsten Winter waren ganz in ihrem Sinn ausgedacht und gewannen ihren Beifall, und so geschah es, daß man den Baron fortan häufiger denn sonst bei der Prinzessin sah.
Die Brust von beglückenden Hoffnungen für die Zukunft erfüllt, war Sidonie um so mehr geneigt, ihren Freunden ein vermehrtes Wohlwollen zu schenken, besonders Mühlfels, dessen Diensteifrigkeit sie zu Dank verpflichtete. Dieser Umstand war jedoch nur zu sehr geeignet, den verliebten Baron immer mehr in der Ueberzeugung der Gunst der Prinzessin zu befestigen und daran die besten Hoffnungen zu knüpfen. Ein wichtiges Mittel zur Erreichung seines Ziels sah er in des Prinzen Verhältniß zu Marianen, indem er im Hinblick auf der Prinzessin leicht verletzbaren Charakter durch den Verrath desselben die letzte Bedenklichkeit zu beseitigen hoffte, die sie etwa noch abhielt, seinen Bewerbungen Gehör zu schenken.
Ende des ersten Bandes.
Druck von G. Pätz in Naumburg a/S.