»O, ihr wißt nicht, wie böse der Prinz mit mir war!« sprach sie mit einem ernsten Gesicht. »Er hat mich ausgescholten und hieß mich gehen. Das hättet ihr nicht gethan. Wärst Du, mein Joko,« — wandte sie sich an ihren Lieblingsaffen, — »der Prinz, Du würdest mich nicht fortgeschickt und so böse behandelt haben. O Joko, Joko, wie sind die Menschen doch so schlimm und gönnen Einem nicht den Bissen Freude, den man hat! Nun, wenn es damit zu Ende sein sollte, reisen wir wieder nach dem Walde, dort will ich mit euch leben herrlich und in Freuden.«
Joko ließ ein zustimmendes Schnurren vernehmen und schmeichelte sich an ihre Brust.
»Siehst Du, Joko,« fuhr sie fort, »ich bin eigentlich auch nur so eine Art hübscher Affe wie Du, an dem der Prinz Gefallen findet und mit dem er sich die Zeit vertreibt, und mache ich nun einmal einen dummen Sprung, dann wird er gleich böse und die anderen Alle auch, als ob ich Wunder was gethan hätte. Aber pass’ nur auf, Joko, ich werde den Prinzen schon wieder lustig machen, wie Du mich, und er wird mich zur Gräfin erheben, wie sie sagen, und dann können wir Sprünge und Zoten nach Belieben anstellen, dann schadet das nichts; dann ist Alles in der Ordnung, und man wird mich dann nicht verspotten, sondern bewundern und allgemein großen Respect vor mir haben. Das wirst Du Alles hören, wenn er morgen hierher kommt; denn er wird morgen zum Fürsten gehen und von dem will er zu mir kommen. Schreie nicht so, Pepi!« befahl sie dem Papagei, der, neidisch über die dem Affen geschenkte Zärtlichkeit, sich auf der Stange unruhig hin und her bewegte und ein auffallendes Gekrächze ausstieß. »Sei still,« fuhr sie fort, »Du kommst mir wie eine jener vornehmen Damen vor, die eben so neidisch wie Du sind. Zwar haben sie mich nicht mit dem Munde, doch desto mehr mit den scharfen Augen angekrächzt, als ob sie mich am liebsten gebissen hätten. O,« lachte sie hell auf, »sie hätten es schon gethan, wenn sie es nur durften! Aber siehst Du, Pepi, sie durften es nicht! Sie wagten es nicht, da ich der Leibaffe des Prinzen bin, was sie so gern sein möchten.« Und sie belachte ihren Witz, und während sie sich in solcher Weise unterhielt, vergaß sie bald die erfahrene Unannehmlichkeit; ihr froher und leichter Sinn half ihr über alles Grübeln und Trauern schnell fort. Warum sollte sie sich auch grämen? Wußte sie denn nicht, daß sie den Prinzen bald beruhigen und er wieder nach ihrem Willen sein würde? Er mußte dochthun, was sie wünschte, ob er sich auch noch so hart anstellte. Und mit diesen Betrachtungen hatte ihr Kummer sein Ende erreicht. —
Wir kehren nun zu Mühlfels zurück, der nach der Unterredung mit dem Fürsten in der übelsten Stimmung nach Hause zurückgekehrt war und hier überlegte, was ihm zur Abwendung der über ihn verhängten Strafe zu thun übrig blieb.
Daß seine Versetzung nach der kleinen, von allem Verkehr entfernten Garnison Aufsehen erregen und die Leute veranlassen würde, nach der Ursache der erfahrenen Ungnade zu forschen, verstand sich von selbst, und eben so selbstverständlich war es, daß man dieselbe entdeckte. Boisière war nicht zuverlässig, überdies hatte er ihn durch die abgegebene Erklärung bei dem Fürsten gereizt und kannte die Hofverhältnisse zu gut, um nicht überzeugt zu sein, der eitle Hofmann würde sich durch vertrauliche Mittheilungen darüber zu rächen bedacht sein.
So konnte ihn nur des Prinzen Fürsprache bei dem Fürsten retten; um sich diese jedoch zu verschaffen, mußte er diesen von der Berechtigung seines Vorhabens gegen den Fürsten überzeugen. Und sein böser Charakter ersann sich dazu ein übles Mittel. Es galt seine Rettung und er bebte vor demselben nicht zurück, unbekümmert um die sich daran knüpfenden verletzenden Folgen für die Prinzessin. Nachdem er sich in solcher Weise genügend vorbereitet hatte, begab er sich zu dem Prinzen. Dieser hatte bereits durch Boisière das Nähere über die Versetzung erfahren und empfing ihn mit einem Vorwurf über seine Unvorsichtigkeit.
»Ich hoffe, Hoheit werden diesen Vorwurf zurücknehmen, wenn ich Ihnen Alles vertraut habe,« entgegnete Mühlfels ruhig und resignirt.
»Was haben Sie mir noch zu sagen?« fragte der Prinz.
»Vielleicht etwas, was Sie nicht erwarteten, mein Prinz,« sprach Mühlfels und fügte hinzu: »Vor allen Dingen habe ich es für meine Pflicht gegen Eure Hoheit gehalten, Sie über den Fall aufzuklären und Ihnen die Kenntniß von meiner Schuldlosigkeit zu verschaffen. So empfindlich mich auch die Ungnade des Fürsten getroffen, würde mir doch diejenige meines theuern Prinzen noch vielfach schmerzlicher sein, da ich dieselbe überdies nicht zu verdienen glaube.«
»So reden Sie, reden Sie!« fiel der Prinz ungeduldig ein.