Sie hätschelte ihn dabei und wußte ihre Rolle so gut zu spielen, daß der Prinz unter anderen Umständen sich jedenfalls hätte versöhnen lassen; dieses Mal gelang ihr das jedoch nicht. Denn durch Boisière über Sidoniens Forderungen unterrichtet, sah er irgend eine folgenreiche Maßnahme von Seiten des Fürsten voraus, die nicht mehr ausbleiben konnte, und das verstimmte ihn in hohem Grade und machte sein Herz ihren Schmeicheleien unzugänglich. Ueberdies erkannte er die Fruchtlosigkeit seiner Bemühungen, sie zur Einsicht der Bedeutsamkeit der besprochenen Verhältnisse zu leiten. Ihre Befangenheit in dergleichen Dingen war zu groß. Darum entgegnete er in strengem Ton:

»Lass’ Deine Zärtlichkeiten und erwarte mich morgen! Ich werde eine Unterredung mit dem Fürsten haben und bin auf Schlimmes gefaßt. Du sollst es erfahren und wirst dann erkennen, wie schwer sich Dein Ungehorsam bestraft!«

Mit diesen Worten verabschiedete er sie zugleich. Mariane schaute ihn überrascht und fragend an. In solcher Weise hatte der Prinz noch niemals mit ihr gesprochen, und dieser Umstand erfüllte sie mit der Vermuthung, daß ihr Besuch doch wol etwas Schlimmes angerichtet haben mußte. Sie ließ den Kopf hängen, blickte traurig vor sich hin und bemerkte schmollend:

»Prinz, Du gehst sehr hart mit mir um und hast mich gewiß nicht mehr lieb. — Vergieb mir!«

»Wir wollen sehen, was der Fürst bestimmt. Jetzt geh’ nur, denn ich möchte ruhen. Morgen erfährst Du das Weitere,« sprach der Prinz, dessen Unmuth sie nicht zu beschwichtigen vermochte.

Mariane kannte das, setzte ihr Hütchen auf, blickte den Prinzen noch einmal traurig an, und als er ihr nicht wie sonst die Arme öffnete, schied sie still von ihm.

Ihr war ganz wunderlich zu Muthe. Sie hatte zum ersten Mal erfahren, daß der Prinz auch rauh und lieblos sein konnte.

Sie mußte also wol einen großen Fehler mit ihrem Besuch gemacht haben. Sie vermochte denselben freilich noch immer nicht einzusehen; denn am Ende war ihrer Ansicht nach doch nur der Prinz selbst an Allem schuld. Warum machte er sie nicht zu einer vornehmen Dame? Eignete sich ihre Schönheit denn nicht dazu und hatte man sie nicht im Schauspiel für eine solche gehalten? O, sie hatte ganz Recht; wäre sie eine Gräfin oder Baronin gewesen, so würde man ihre Liebschaft mit dem Prinzen ganz natürlich gefunden haben; jetzt hielt man sie für viel zu gering dazu.

Als sie nach Hause zurückgekehrt war und Madame Voisin mit Allem bekannt gemacht und deren Bedauern vernommen hatte, begab sie sich zu ihren Vögeln und Affen, mit denen sie sich häufig und gern zu unterhalten pflegte.

Der Papagei und die Affen begrüßten sie mit freudigem Geschrei, da sie die Herrin sehr gut kannten und manch’ süßen Brocken aus ihrer Hand empfingen, wie dies auch jetzt der Fall war. Sie unterhielt sich während dessen mit ihnen.