Der Fürst ließ ihn vorläufig gewähren und that dies in der Absicht, ihn bald mit um so größerer Strenge an seinen Aufenthalt zu binden und dadurch zugleich zur Einsicht der Nothwendigkeit einer Versöhnung mit ihm und Sidonien zu leiten. Dies geschah, und der Prinz trug mit gesteigertem Unmuth den ihm auferlegten Zwang, seine Gemahlin verwünschend, der er alle Schuld zu dem ihn Betroffenen beilegte.

Sidonie vernahm mit Befriedigung die ihr von dem Fürsten bereitete Genugthuung, dankte ihm persönlich dafür, und die Frage der Trennung von dem Prinzen wurde nicht weiter berührt.

Trotzdem übersah sie die Gefahr nicht, welche sie dadurch für sich herauf beschworen hatte; denn es konnte mit Sicherheit erwartet werden, daß sich der Prinz und auch Mühlfels für das Erlittene an ihr zu rächen bedacht sein würden. Um so erwünschter war ihr daher des Fürsten Vorschlag, ein Bad zur Stärkung zu gebrauchen, und bereitwillig ging sie darauf ein, da sie sich dadurch zugleich dem leidigen Hofleben entziehen und in der gebotenen Freiheit ergehen konnte. Wol nicht ohne Absicht traf sie die Wahl eines Badeorts, der von des Grafen Besitzung nicht allzu fern lag und diesem die Gelegenheit zu einem Besuch bot. Da ihr Arzt ihre Wahl billigte, so erschien diese als dessen Bestimmung, und ihre Vorliebe für den gewählten Ort wurde dadurch verhüllt.

Ungefähr drei Wochen nach den näher bezeichneten Vorfällen reiste sie in Begleitung ihrer Tochter, Aureliens und einer nicht eben großen Dienerschaft dahin ab.

Sie hatte den Prinzen bis zu diesem Augenblick nicht gesprochen; sie wurde durch ihre Abreise genöthigt, ihm Lebewohl zu sagen, und sie that dies, wenngleich mit großer Ueberwindung.

Der Prinz, weit entfernt ihr freundlich entgegen zu kommen, zeigte ihr vielmehr ein kaltes, verletzendes Verhalten, dem sie sich so schnell als möglich zu entziehen suchte. Ihm war es angenehm, sie nicht mehr in seiner Nähe zu wissen, und mit Ungeduld sah er der Zeit entgegen, in welcher es ihm mit Mühlfels’ Hilfe gelingen sollte, sich an ihr zu rächen.

Ende des zweiten Bandes.

Druck von G. Pätz in Naumburg a/S.

Anmerkungen zur Transkription:

Die erste Zeile entspricht dem Original, die zweite Zeile enthält die Korrektur.