»Würde ich hier geblieben sein, hätte sich das wahrscheinlich leicht machen lassen, besonders da der Graf jeden Tag eintreffen kann; jetzt jedoch, so entfernt von hier, sehe ich dazu keine Möglichkeit.«
»Ein fataler Umstand! Um so mehr werde ich bedacht sein, den Fürsten zur Abkürzung Ihrer Verbannung zu bewegen. Sie sollen nicht lange dort sein.«
»Hoheit würden mich dadurch sehr beglücken; denn eine unverdiente Strafe erträgt sich schwer.«
»Ich werde dafür sorgen, daß Sie dort gut aufgenommen werden und Ihnen der Commandant alle Freiheit gestattet. Ich gebe Ihnen ein paar Worte an diesen mit.«
»Tausend Dank, mein gnädigster Prinz. Doch nun gestatten Sie mir, Ihnen noch meine Ansicht über die Behandlung der bewußten Angelegenheit zu bezeichnen.«
»Reden Sie, Mühlfels; denn es ist mir lieb, zu erfahren, was Sie für die Folge darin zu thun gedenken. Ich will die Sache bis zum Aeußersten verfolgen, um die Befriedigung meiner Rache vollkommen zu genießen.«
»Und ich denke, dies soll uns auch gelingen, besonders wenn mir die Rückkehr bald gewährt wird. Bis dahin jedoch bitte ich Sie, mein Prinz, von dem Vernommenen weder dem Fürsten, noch irgend einem Andern das Geringste zu verrathen. Sie kennen die Hofverhältnisse zu genau, um eine solche Vorsicht nicht zu billigen. Ueberdies dürfte Ihre persönliche Einmischung vor der Hand auch gefährlich werden. Sie sind zu hitzig und Ihre Erregung würde sich um so rascher steigern, da Sie der Beleidigte sind. Dadurch könnte die Angelegenheit leicht einen nichts weniger als erwünschten Ausgang nehmen. Darum bitte ich, lediglich mir alles Weitere zu überlassen, und überzeugt zu sein, daß ich alle Sorgfalt auf Enthüllung dieser Sache anwenden werde.«
»Sie haben Recht und so soll es dabei bleiben, und um so mehr werde ich mich bemühen, Ihnen die baldigste Rückkehr bei dem Fürsten auszuwirken.«
Nachdem sie diese Angelegenheit noch weiter besprochen, Mühlfels des Prinzen Empfehlung an den Commandanten empfangen hatte, schied der Baron unter den gnädigsten Freundschaftsbezeigungen von dem Prinzen, nicht wenig erfreut, seinen finstern Racheplan in so vortrefflicher Weise zur Geltung gebracht zu haben. Daß ihm derselbe gelingen würde, zweifelte er nicht; jedenfalls verschaffte er ihm die so gewünschte baldige Rückkehr, und das war ein großer Vortheil. Diese Hoffnung gewährte ihm und seiner tief verletzten Mutter keinen kleinen Trost, als er in der Frühe des nächsten Tages sich von ihr und der Residenz trennte und, nur von einem Diener begleitet, die Reise nach der öden und einsamen Garnison antrat. Es verstand sich von selbst, daß die Baronin sofort um ihre Entlassung aus dem Dienst der Prinzessin einkam, die ihr natürlich auch bewilligt wurde.
Mit besonderer Genugthuung sah der Fürst seine Befehle in solcher Weise erfüllt, da man ihm die herausfordernde Weise verschwieg, in welcher Mariane die Stadt verlassen hatte. Ein paar Tage darauf ließ er dem Prinzen seine Freiheit ankündigen, und dieser benutzte dieselbe sofort, sich nach der ersten Residenz zu begeben, seine alten Freunde daselbst um sich zu versammeln und mit ihnen in der früheren Weise zu leben und so den Schmerz über den Verlust seiner Günstlinge zu vergessen.