»Das könnte sein!« fiel der Prinz ein.

»Verstehen Sie mich recht, mein Prinz, ich meine damit nicht den Verrath der mir erzeigten Gunst, sondern die Liebe für einen Andern.« —

»Sie hat also eine Liaison?« fragte der Prinz.

»Ich bin davon durchaus überzeugt,« entgegnete Mühlfels und theilte ihm nun mit gut gewählten Worten seine Entdeckungen und Vermuthungen hinsichts Sidoniens Neigung für den Grafen mit.

Der durch seine Mittheilung erzeugte Eindruck auf den Prinzen war ein überraschend erwünschter, da dieser von Alledem keine Ahnung hatte und das Vernommene daher eine um so tiefere Wirkung auf ihn ausübte.

»Und warum erfahre ich das Alles erst jetzt?!« fragte der Prinz.

»Weil ich es bisher für besser erachtete, darüber zu schweigen. Da die Prinzessin jedoch durch ihr übles Verhalten gegen mich sich jeder auf sie zu nehmenden Rücksicht begeben hat, darf ich ihr auch keine Schonung mehr angedeihen lassen.« —

»Sie hätten mich und den Fürsten schon früher damit bekannt machen sollen.«

»Das hätte zu keinem erwünschten Resultat geführt und mich obenein in die Gefahr gesetzt, als Undankbarer und Ruhestörer bezeichnet zu werden. Sie wissen, mein Prinz, ich war der Prinzessin Rücksicht schuldig. Uebrigens erinnere ich Sie, daß meine Mittheilung auch, da ich die erforderlichen Beweise dafür nicht besitze, keine besondere Bedeutung gewinnen konnte. Meiner Ansicht nach kommt es darauf an, die Rückkehr des Grafen abzuwarten und ihn und die Prinzessin alsdann in der Stille zu beobachten und sich also die nöthigen Beweise ihrer Schuld zu verschaffen. Sie ahnen nicht, daß ihr Geheimniß verrathen ist, und werden daher um so leichter in die ihnen gestellte Falle gehen, wenn sie sich nicht vielleicht auch ohne eine solche verrathen.«

»Sie haben Recht, ganz Recht, und Ihre Entdeckung ist kostbar!« rief der Prinz in großer Erregung, der das Vernommene mit rachsüchtiger Begier aufgriff. »Könnte ich sie entlarven und der Welt ihre Scheinheiligkeit offenbaren, ich würde mich für das Erfahrene reich entschädigt fühlen. Denn ich vermag Ihnen nicht auszudrücken, wie verhaßt mir Sidonie nach der letzten Geschichte geworden ist. Läßt sich Ihre Entdeckung in meinem Sinne ausbeuten?«