Leipzig,

Verlag von Friedrich Fleischer.

1870.

Erstes Kapitel.

Etwa zwei Monate waren über die näher bezeichneten Vorgänge dahin gegangen. Den lichten, milden Herbsttagen waren die trüben und rauhen Verkünder des nahenden Winters gefolgt. Nachtfröste und die nie fehlenden Winde hatten Bäume und Gesträuche allgemach entblättert und die Menschen in die behaglichen Wohnungen gedrängt, von wo aus sie dem Walten in dem Naturleben gesicherter zuschauten und sich nun an den häuslichen Vergnügungen ergötzten.

Dies war namentlich in den Hofkreisen der Fall, woselbst man eifrig bedacht war, sich Amusements aller Art zu bereiten und in solcher Weise den unbequemen Winter angenehm zu vertändeln.

Es war die eilfte Vormittagsstunde und wir sehen den Fürsten in einem nichts weniger als prunkvollen, sondern vielmehr ziemlich einfach ausgestatteten Gemach mit der Durchsicht einiger vor ihm liegenden Papiere beschäftigt.

In dem Kamin brannte ein helles Feuer, obwol die Luft nur frisch, jedoch nicht frostkalt war. Ebenso war der Fürst sehr warm gekleidet, namentlich waren die Füße durch wärmende Hüllen und Decken geschützt. Die rauhe Jahreszeit hatte sein altes Leiden, die Gicht, mit vermehrter Heftigkeit herbei geführt und quälte ihn nun schon seit mehren Wochen, indem es ihn zugleich am Arbeiten und dem Genuß der frischen Luft hinderte und ihm überdies alle Lust an seinen gewöhnlichen Zerstreuungen raubte. Die Stimmung des Fürsten war daher auch keine gute, trotz der Bemühungen seiner vertrauten Freunde.

Während seiner Beschäftigung wurde ihm der Kammerherr, Chevalier Boisière gemeldet, und der Fürst befahl, denselben sogleich eintreten zu lassen. Der Chevalier besaß das besondere Vertrauen des Fürsten und wurde von diesem zu mancherlei delicaten Diensten verwendet, wozu der Franzose ganz ausgezeichnete Talente besaß.

Am Hofe in Paris alt geworden, in alle Intriguen desselben eingeweiht und mit den reichen Erfahrungen eines genußvollen Lebens ausgestattet, eignete er sich vortrefflich zu dem vertrauten Diener eines Fürsten, an dessen Hof es nicht besser zuging, als an dem französischen.