»Nicht wahr, ich gefalle Ihnen in dieser Robe?« fragte Mariane unbefangen und freundlich.
»Gewiß, Fräulein; er steht Ihnen vortrefflich. Doch müssen Sie sich bald umkleiden, damit Sie der Prinz nicht darin findet,« bemerkte Madame Voisin.
»Und warum soll er mich nicht in diesem prächtigen Kleide, das mir so gut steht, sehen?« fragte Mariane überrascht.
»Das dürfte ich Ihnen kaum noch sagen; wissen Sie doch, daß er Sie am liebsten in einem einfachen Anzuge sieht.« —
»Das thut er nur, weil er glaubt, ein vornehmer Anzug würde mich nicht gut kleiden.« —
»Das glaube ich nicht, sondern vermuthe, Sie gefallen ihm am meisten in einer bescheidenen Tracht.« —
»So soll er sehen, daß ich auch in schönen Kleidern nicht häßlicher, sondern vielleicht noch schöner bin! Wozu hätte ich sie denn, wenn ich mich damit nicht schmücken dürfte?!« —
»Sie vergessen, daß der Prinz sich an den prächtigen Toiletten schon lange satt gesehen hat.« —
»Möglich. Doch ich sage Ihnen, Madame, nicht an den Kleidern, sondern an den Personen hat sich der Prinz übersättigt, und ich denke Ihnen den Beweis dafür heute zu liefern,« erörterte Mariane in sehr bestimmtem Ton.
»Versuchen Sie es; es könnte sein, daß ich mich täusche. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, so vergessen Sie nicht, dem Prinzen meine Mißbilligung Ihres Anzugs zu erkennen zu geben, damit er mir keine Schuld beilegt.«