»Das würde mich in der tiefsten Seele verletzen; denn ich habe den Fürsten bereits durch den Chevalier mit Sidoniens Zuneigung zu mir bekannt machen lassen. Ich würde zum Gespötte werden, gäbe sie einem Andern den Vorzug!« rief der Baron in großer Aufregung.

»Das würde geschehen, und darum müssen wir, und zwar nicht allein aus diesem Grunde, sondern aus dem viel wichtigeren Interesse, das uns eine Liaison der Prinzessin bietet, bedacht sein, in dieser Angelegenheit Gewißheit zu erhalten.«

»Was kann mir diese helfen, wenn ich nicht der Gegenstand ihrer Neigung bin?!« warf der Baron ärgerlich hin.

»Mehr, als Du jetzt einsiehst, mein Sohn. Gesetzt, es gelingt uns, ihre Herzensgeheimnisse zu ergründen, so dürfte, lauschen wir ihr irgend eine Schwäche ab, dies ein wichtiger Umstand sein, Dich in ihre Gunst zu setzen.«

»So glaubst Du also, es könnte ein solcher Fall eintreten?«

»Warum nicht? Es wäre fast unnatürlich, sollte unsere Voraussetzung nicht eintreffen und Sidonie unter den obwaltenden Umständen ihre Empfindungen nicht verrathen.«

»Möglich! Doch dürfte dies lediglich von der Person abhängen, der sie ihre Liebe geschenkt hat.«

»Gewiß; indessen sind die Verhältnisse zu günstig, dergleichen Erwartungen nicht zu hegen.«

»Sie haben Recht. Warum sollte sie auch besser sein als alle Anderen, besonders da des Fürsten Begünstigung sie dazu herausfordert und ihr jede Besorgniß nimmt. Doch wir vergessen, daß darin auch zugleich ein Mittel liegt, unsere etwaige Entdeckungen wirkungslos zu machen.«

»Wie willst Du das jetzt schon mit Gewißheit behaupten?! Bedenke, daß, wie Du selbst sagtest, die Prinzessin den eigentlichen Sinn des von dem Fürsten geäußerten Wunsches nicht zu ahnen scheint.« —