Diese Erscheinungen, durchaus nicht erwartet, erregten in ihm die ersten Zweifel an Sidoniens Zuneigung zu ihm, und der niederbeugende Gedanke, sich über ihre Empfindungen und ihr Benehmen gegen ihn vielleicht getäuscht zu haben, machte sich allmälig in ihm geltend. Zwar verwarf er denselben wieder bei der Erinnerung des ihm von der Prinzessin bisher geschenkten Wohlwollens; es lag aber auch die Frage nahe, warum dies nicht nur in der früheren Weise fortbestand, sondern sich auch, wie er erwartet hatte, steigerte. Alle diese Umstände erfüllten ihn mit dem Vorsatz, die Prinzessin und ihr Thun genauer zu prüfen, um dadurch vielleicht den Grund ihres so auffällig veränderten Benehmens zu entdecken. Hiezu fand er zwar in den Abendgesellschaften der Prinzessin Gelegenheit; dies genügte ihm jedoch nicht, und so gedachte er sie auch außerdem im Geheimen zu beobachten. Er war mit den Hofdamen und Dienern der Prinzessin ziemlich bekannt, und so konnte es ihm nicht eben schwer werden, mancherlei vielleicht für ihn Interessantes über sie von diesen zu erfahren.
Gewöhnt, wie wir wissen, dergleichen Angelegenheiten mit seiner Mutter zu besprechen, vertraute er sich auch jetzt dieser an und überraschte sie dadurch nicht eben wenig. Ihr war das Zustandekommen des von dem Fürsten gewünschten Verhältnisses, was sie gewissermaßen als eine Ehrensache betrachtete, von großer Wichtigkeit, ganz abgesehen, daß es sich dabei um das besondere Interesse ihres Sohnes handelte.
»So ist Dir also nichts von Bedeutung aufgefallen, wodurch Du Dir diese Veränderung von Ihrer Seite erklären könntest?« fragte die Baronin nachdenkend, nachdem sie über Alles aufgeklärt worden war.
Mühlfels verneinte und versicherte, in dieser Beziehung kaum eine Vermuthung zu besitzen.
Die Baronin erinnerte ihn darauf an Eins und das Andere, was dazu vielleicht Veranlassung gegeben haben könnte, aber mit gleichem Erfolg.
»So will ich Dir eine überraschende Vermuthung mittheilen, die durch Deine Worte in mir erzeugt worden ist,« sprach sie nach kurzem Ueberlegen.
»Und die wäre?« fragte Mühlfels gespannt.
»Die Prinzessin liebt wahrscheinlich bereits.«
»Was sagen Sie!« fuhr der Baron auf.
»Ich sage, es ist so; aber ich füge auch hinzu, daß sie Dich nicht liebt.«