Es wurde gescherzt, geliebelt, intriguirt, geklatscht und vor allen Dingen Vermuthungen über die Leistungen der Damen und Herren ausgesprochen, die sich heute dem Hof und Publikum als Reitkünstler vorzustellen so kühn waren. Man kannte die meisten derselben, und so war das Interesse ein um so größeres.
Von den Hofleuten fehlte fast Niemand. Kurz vor Beginn der Vorstellung erschien auch Sidonie in Begleitung der Baronin, Aureliens und anderer Hofdamen, und mit herzlicher Theilnahme wandte sich ein jedes Auge der edeln, anmuthigen Erscheinung zu, deren bleiches Antlitz nur zu sehr geeignet war, das Interesse für sie zu erhöhen, da man den Anlaß dazu genügend zu kennen glaubte.
Dieses Interesse wurde jedoch schon nach wenigen Augenblicken durch eine andere Dame beeinträchtigt, die in einer der gewöhnlichen Logen saß und durch ihre Jugend und Schönheit, vor Allem jedoch durch ihren kostbaren Anzug sofort die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zog. Diese Wirkung wurde noch durch den Umstand erhöht, daß man sie nicht kannte, nirgends gesehen hatte, obwol die reiche Kleidung und die blitzenden Diamanten ihres Halsbandes und der Armbänder auf Reichthum und Rang schließen ließen.
Ein sich rasch fortspinnendes Fragen und Erkundigen nach ihr durchschwirrte die Menge, während man die Fremde zugleich ziemlich unbefangen musterte.
Dieser entging dies nicht, und es hatte den Anschein, als ob ihr eine solche Aufmerksamkeit nicht eben unlieb wäre; denn sie kam den Blicken ihrer Beschauer eben so dreist entgegen, was namentlich den lorgnettirenden Herren sehr zusagte.
Zugleich machte sich in ihrem von Erregung gerötheten Antlitz eine fast kindliche Neugier geltend; denn sie wandte den lieblichen Lockenkopf nach allen Seiten und betrachtete sich die Räume sowol als die Personen mit sichtlichem Interesse. Ab und zu richtete sie an eine hinter ihr sitzende ältere Dame ein und die andere Frage, und schien sich von dieser über Personen und Gegenstände Auskunft geben zu lassen, um alsdann mit gesteigertem Behagen ihre früheren Beobachtungen wieder aufzunehmen. Sie wurde darin durch das Erscheinen des Fürsten mit seiner Gemahlin und dem ganzen Hofstaat angenehm unterbrochen, indem sich zugleich ihre Aufmerksamkeit jetzt lediglich auf diese lenkte. Beim Eintreten des Fürsten ließ das Orchester einen rauschenden Marsch ertönen, und wenige Augenblicke darauf erschien der glänzende Zug der Reitkünstler, der die Bahn durchritt und sich alsdann vor der Hofloge aufstellte.
Lauter Beifall empfing denselben, der wohlverdient war. Denn die Schönheit der Personen, die Pracht der Anzüge, der goldene und silberne Schmuck der Pferde, die ausersehene Vortrefflichkeit derselben und die eben so geschmack- als wirkungsvolle Anordnung des Zuges, der, übergossen von dem Licht Tausender von Kerzen, einen wundervollen Anblick gewährte, waren in der That von so seltener Vollkommenheit, wie man dergleichen noch nie gesehen hatte.
Bald darauf begann alsdann die Vorstellung, die in verschiedene Tänze, Ringelstechen und ähnliche Leistungen zerfiel. Die an sich vortreffliche Ausführung derselben fesselte anhaltend die Aufmerksamkeit der Zuschauer, bis eine Pause der Erholung für diese und die Mitwirkenden eintrat.
Nachdem man die empfangenen angenehmen Eindrücke besprochen und allerlei kritische Bemerkungen daran geknüpft hatte, wandte man das Auge wieder der fremden Dame zu, und es regte sich auf’s Neue das Verlangen, deren Namen und Stand kennen zu lernen, da die in dieser Beziehung bereits angestellten Nachforschungen fruchtlos geblieben waren.
Die Bezeichnete schien von dem genossenen Schauspiel sehr erregt zu sein; ihre Augen strahlten von Lust, ihre Wangen waren hoch geröthet, und lebhaft unterhielt sie sich mit der bereits bezeichneten Dame.