»Tausend Dank für dieses gütige Wort!« rief Mühlfels und ergriff Sidoniens Hand, die er küßte, ohne daß Sie es zu verhindern vermochte. Sie ließ diese selbstgenommene Freiheit jedoch hingehen, die ja ein Zeichen seiner warmen Empfindungen für sie war, trat von ihm zurück und grüßte ihn mit Wohlwollen.
Mühlfels entfernte sich und ließ Sidonie in einer bewegten Stimmung zurück. Sein Benehmen und seine Worte hatten sie überzeugt, daß Aureliens Voraussetzung in Bezug auf seine Liebe zu ihr begründet sei; trotzdem vermochte sie nicht, ihn durch Kälte zurückzuweisen, obwol sie dazu herausgefordert wurde. Sie glaubte jedoch ihm gegenüber ein richtiges Verhalten beobachtet und ihn zu der Einsicht, daß sie weit entfernt sei, seine Huldigung anzunehmen, geführt zu haben. Mühlfels’ Mittheilungen hatten sie nämlich hinsichts des Fürsten aufgeklärt und ihr zugleich die Ueberzeugung eingeflößt, daß sie von diesem nichts zu erwarten hätte, da man ihm den Vorfall verschweigen würde. Um so bestimmter trat daher die Nothwendigkeit an sie heran, die mit Aurelien besprochene Absicht am nächsten Tage auszuführen.
Der Baron kehrte, von der Unterredung mit der Prinzessin sehr befriedigt, nach Hause. Ihre Freundlichkeit hatte ihn entzückt, noch mehr die gütige Aufnahme seiner etwas kecken Huldigung.
Dieser Umstand verleitete ihn, trotz der Kenntniß von Sidoniens Neigung für Römer, an einen tieferen Eindruck zu glauben, den seine Persönlichkeit und Ergebenheit auf sie hervorgerufen hatten.
So groß war seine Leidenschaft, aber auch seine Eitelkeit, um dergleichen Hoffnungen Raum zu geben! — Ueberdies hatte er seine Absicht vollkommen erreicht, und das war in diesem Augenblick höchst wichtig für ihn.
Er fand den Chevalier bereits seiner harrend, und dieser war nicht wenig erfreut, als ihm Mühlfels Sidoniens Absicht, sich persönlich Genugthuung zu verschaffen, mittheilte.
»Benutzen Sie nun meine Nachricht nach Ihrem Ermessen, lieber Chevalier, und erinnern Sie den Fürsten zugleich, daß die Prinzessin irgend einen zufrieden stellenden Schritt erwartet; ob von ihm selbst oder dem Prinzen, weiß ich nicht. Vielleicht wäre es gut, ihr zuvor zu kommen; doch das müßten wir dem Fürsten überlassen,« schloß Mühlfels seine Mittheilung.
Der Chevalier lobte seine Klugheit, drückte ihm in den wärmsten Worten seinen Dank für die erhaltenen so wichtigen Mittheilungen aus und beeilte sich alsdann, den Fürsten mit dem Erfolg seiner Sendung bekannt zu machen. Auf seinem Gange dahin erwog er, wie nothwendig es sei, Serenissimus den bekannten Vorfall zu verrathen, da er ihm denselben nicht mehr verschweigen durfte. Es war dies seine Pflicht. Denn wie wir wissen, beehrte ihn der Fürst mit seinem besondern Vertrauen in Angelegenheiten der fürstlichen Familie und des Hofes.
»Es ist mir lieb, daß sich die Prinzessin wieder wohl fühlt,« bemerkte der Fürst, nachdem ihm Boisière hierüber berichtet. »Unsere Prinzessin,« fuhr er fort, »besitzt ein sehr erregliches Wesen und es könnte ihr nichts schaden, ein stärkendes Bad zu besuchen.«
Der Chevalier hüstelte ein wenig, ohne des Fürsten Worte zu bestätigen, indem er zugleich nachdenkend auf den Boden blickte, was er zu thun pflegte, wenn er gefragt zu werden wünschte. Der Fürst bemerkte das und fragte: