Ueber die anderen Personen dieser Erzählung wäre nur noch wenig zu sagen.

Mühlfels genoß die ihm von dem Fürsten geschenkten Begünstigungen nicht lange. Er blieb der Vertraute des Regenten, der seinen verwerflichen Leidenschaften, seitdem er nach Belieben schalten und walten konnte, ganz und gar die Zügel schießen ließ, zu seinem und des Landes Verderben. Wenige Jahre, nachdem der Prinz den Thron bestiegen hatte, fand Mühlfels auf einer Jagd durch den jähen Sturz mit dem Pferde den Tod, ehe er noch seine Absicht erreicht und das Ansehen seines Hauses durch eine glänzende Vermählung erhöht hatte.

Marianens Wunsch ging in Erfüllung. Bald nach dem Tode des Fürsten wurde sie in den Grafenstand erhoben und spielte fortan eine sehr wichtige Rolle am Hofe des fürstlichen Geliebten, den sie durchaus beherrschte. Niemand erkannte in der stolzen, hoffärtigen Dame, vor welcher sich Alle beugten, jene Waldtaube, die einst aus der Verborgenheit ausgeflogen war, um mit kindischer Neugier die Herrlichkeiten der Welt zu schauen.

Sie beherrschte jedoch nicht nur den Regenten und den Hof, sondern selbst die Gemahlin des Ersteren mußte ihrem Uebergewicht weichen, das sie bis zur letzten Stunde zu behaupten verstand.

Und so regierte sie im wahren Sinn des Wortes allein und umgab sich mit Glanz und Reichthum.

Als der Fürst starb, ereilte jedoch auch sie die Vergeltung. Sie wurde verbannt und starb, von ihren Freunden verlassen, in Vergessenheit.

In Bezug auf das Ende seines Neffen traf die Voraussage des Fürsten durchaus zu.

Durch sinnliche Genüsse vollständig entnervt und nachdem er dem Lande eine ungeheure Schuldenlast durch seine Verschwendung aufgebürdet hatte, starb derselbe, kaum einige dreißig Jahre alt, in Marianens Armen, welche sich das Recht anmaßte, in Gegenwart der Fürstin und deren Kinder an seinem Sterbelager zu erscheinen. Und man duldete das. — —

Der Tod der Gräfin Römer erfolgte mit dem Beginn des Frühlings, und einige Wochen darauf und nachdem der Graf seine Verhältnisse geordnet hatte, führten die Vermählten ihre Absicht aus und begaben sich nach Italien. Eine reizend gelegene Villa am Gardasee nahm sie auf, und die durch so viele Prüfungen nur noch erhöhte Liebe verlieh ihrem Leben fortan jenes reine, ungetrübte Glück, zu welchem ihre edeln Herzen im vollsten Maß berechtigt waren.

Aurelie fand den Lohn ihrer treuen, aufopfernden Freundschaft in dem Glück ihrer Freunde, bei welchen sie in voller Hingabe und hoch geliebt und geachtet blieb.