»Wer war die Maske, die Ihnen dieselben brachte?« fragte der Fürst.
»Ich weiß es nicht. Aus guten Gründen scheint sie unbekannt bleiben zu wollen; denn sie hat sich sogleich heimlich entfernt.«
»Sie hätten das nicht gestatten sollen,« wandte der Fürst ein.
»Ich vermochte das nicht, da mich der Inhalt des Schreibens fesselte. Ueberdies ist an dem Manne selbst nichts gelegen, da er seine Worte durch die unzweifelhaftesten Beweise unterstützt.«
»So lassen Sie mich den Brief lesen,« sprach der Fürst, ergriff das Schreiben und las dasselbe mit großer Aufmerksamkeit durch, betrachtete sodann mit nicht geringerem Interesse den Inhalt des Paquets, und nachdem dies geschehen war, blickte er einige Augenblicke sinnend vor sich hin und bemerkte alsdann mit einem besondern Ausdruck in Mienen und Blick: »Ich denke, Prinz, das Alles kommt uns sehr gelegen.«
»Wer konnte dergleichen auch voraussehen; ich begrüße es mit Freuden, denn es rechtfertigt mich bei Ihnen und giebt meiner Angelegenheit eine ganz andere Wendung.«
»So meine ich auch und denke überdies, wir können diese Dinge in unserm Sinn benutzen,« sprach der Fürst vertraulich. »Doch,« fuhr er fort, »ein wenig Vorsicht kann nicht schaden, namentlich wäre es gut, Aufsehen zu vermeiden, um die Sache nicht etwa denjenigen zu verrathen, die ein Interesse dafür haben. Darum fassen Sie sich, mein lieber Prinz, und zeigen Sie Ruhe und Unbefangenheit, damit man nichts ahnt, und dann lassen Sie uns in den Saal zurückkehren und noch eine Stunde unseren Gästen schenken. Also täuscht man am besten. Ueberdies, glaube ich, haben wir auch im Besitz dieser Dinge,« er deutete auf das Paquet, »einigen Grund, nicht betrübt zu sein. Mir, ich gestehe es Ihnen, ist ein großer Gefallen damit geschehen, denn ich kann nun mit voller Freiheit handeln.«
Nachdem er sich darauf noch eine längere Zeit mit dem Prinzen vertraulich unterhalten hatte, kehrte er, wie er es gewollt, mit demselben zu den Gästen zurück, und ihre heiteren und unbefangenen Mienen ließen nicht die hohe und ernste Bedeutsamkeit des soeben Verhandelten ahnen.
Die mit dem stattgehabten Vorgang bekannten Personen wurden durch diesen Umstand ein wenig überrascht, da sie darauf nichts weniger als vorbereitet waren und also das Gegentheil erwartet hatten. Da es eine Angelegenheit war, die, wie sie vernommen, des Prinzen Ehre betreffen sollte, so konnte es nicht ausbleiben, daß man sowol mit einander als mit Befreundeten nach dem Entfernen des Fürsten dieselbe in eifriger Weise besprach und sich somit das Gerücht von dem sonderbaren Vorfall sehr rasch unter den Gästen verbreitete. Mit um so größerer Spannung hatte man daher der Rückkehr des Fürsten entgegen gesehen, und zwar in der bestimmten Erwartung, Näheres zu erfahren. Man war jedoch getäuscht; denn sowol der Fürst als der Prinz berührten die Angelegenheit gegen die ihnen bekannten Personen mit keinem Wort, und die von ihnen gezeigte gute Stimmung verrieth, daß sie derselben durchaus keine ernste Bedeutung beilegten. Diese Umstände verleiteten denn auch die Gäste, lediglich des Prinzen leichter Erreglichkeit die Veranlassung zu seinem früheren Verhalten zuzuschreiben. Der Fürst verweilte, seinem Vornehmen getreu, noch eine längere Zeit auf dem Fest und zeigte die beste Laune; der Prinz tanzte sogar mehrmals, theilte die Stimmung seines Oheims und verließ erst lange nach diesem den Saal.
Zu jenen Personen, welchen der bezeichnete Vorfall nicht entgangen war, gehörte auch eine uns bereits genügend bekannte Dame, und zwar die Oberhofmeisterin der Prinzessin, Baronin Mühlfels. Sie hatte von einer geeigneten Stelle aus demselben die höchste Aufmerksamkeit geschenkt und mit gleichem Interesse das Benehmen der Fürsten beachtet, namentlich nach deren Rückkehr.