Etwa acht Tage waren über die bezeichneten Vorgänge dahin gegangen.
In dem Hause der Baronin Mühlfels herrschte ein großes Freuen, denn der vielgeliebte Sohn war aus der Verbannung zurück gekehrt, von dem Prinzen und sogar dem Fürsten in einer Privataudienz empfangen und alsdann in seine frühere Würde wieder eingesetzt worden.
Von allen Seiten kam man ihm in der zuvorkommendsten Weise entgegen und drückte ihm die Freude aus, ihn wieder in dem Freundeskreise sehen zu können. Kurz, Mühlfels war der gefeierte Mann des Tages, worauf das Gerücht von der Gunst des Fürsten keinen geringen Einfluß ausübte.
Der Letztere hatte ihn auch später noch mehrmals empfangen und vertrauliche Unterredungen mit ihm gehabt, Grund genug, sein Ansehen schnell zu steigern.
Die Baronin erachtete es für eine Pflicht, die Rückkehr ihres Sohnes durch ein glänzendes Fest zu feiern, und hatte dazu die zahlreichsten Einladungen ergehen lassen. Daß sie dabei den Prinzen nicht vergaß, verstand sich von selbst, und dieser war so gnädig, ihr sein Erscheinen zuzusagen. Dieser Umstand erfreute die Baronin nicht nur darum, weil ihr und ihrem Sohne dadurch eine glänzende Genugthuung geboten wurde, sondern auch, weil derselbe ihrer Absicht hinsichts Marianen entgegen kam.
Mit der gegen die Prinzessin gespielten Intrigue war sie durch ihren Sohn genau bekannt gemacht worden. Dieser hatte Bieberstein an sie gesandt, durch den sie wieder des Prinzen Wünsche erfuhr, und so wird uns daher auch ihr besonderes Verhalten auf der Redoute erklärlich sein. Welche große Freude sie über alles Vernommene empfand, darf kaum bemerkt werden; galt es doch die Genugthuung ihres theuern Sohnes.
Daß seine so klugen Maßnahmen die gewünschten Erfolge erzielen würden, war für sie durchaus keine Frage, da sie die Intentionen des Fürsten und Prinzen sehr genau kannte.
Wir übergehen die Festlichkeit, die durch des Prinzen ungewöhnlich lange Gegenwart auf derselben einen ganz besondern Glanz erhielt. Der Letztere zeigte die heiterste Stimmung und erschöpfte sich in Aufmerksamkeiten für Mühlfels und dessen Mutter, so daß man diesen wiederholt Glück dazu wünschte.
Die kluge Baronin beeilte sich, diese so herrlichen Vortheile in ihrer Absicht zu benutzen, und als sich eine geeignete Gelegenheit zu einer vertraulichen Unterredung mit dem Prinzen fand, erfüllte sie Marianens Bitte und sprach mit dem Letzteren über deren ihr mitgetheilte Sorgen und Bedenken. Sie that dies mit dem ihr eigenthümlichen Geschick, und wenn der Prinz durch das Vernommene auch ein wenig überrascht wurde, war es ihm doch auch zugleich lieb, daß sich Mariane an die in die Liaison eingeweihte Baronin gewandt hatte, und trug ihr auf, das Mädchen in jeder Hinsicht zu beruhigen und ihr die besten Hoffnungen für die Zukunft zu geben.
Wie hoch die Baronin einen solchen Auftrag schätzte, wissen wir, und es darf kaum bemerkt werden, daß sie mit einer ausführlichen Mittheilung an Mariane nicht zögerte und ihr darin im Hinblick auf die stattgefundenen Vorgänge, welche eine baldige Trennung der Ehe des Prinzen mit Bestimmtheit erwarten ließen, die gewisse Erfüllung ihrer Wünsche in Aussicht stellte.