Doch ich kehre von dieser Digression nach New-York, nach Wallstreet, dem Sitze der weisen Geschäfts-Welt Amerika’s, dem großen Congreß aller Bank-, Eisenbahn- und Canal-Gesellschaften zurück. Indem ich in meinem Reise- und Notizen-Buche, aus welchem vorliegende Schilderungen entstanden sind, blättere, finde ich eine Stelle aus der Johanna von Montfaucon: „Es muß blitzen, es wird blitzen, es blitzt“. Ich drückte hierdurch aufs kürzeste meine Ansicht von dem Zustande der Geschäftswelt aus, als ich nach meiner Ankunft aus Europa mich in Pearl-Ceder-street etc. um die Waarengeschäfte bekümmert hatte, gerade zu einer Zeit, wo die ganze Geschäftswelt in New-York wonnetrunken mit Aufträge-Ertheilungen nach Europa und mit dem Abfertigen von Agenten dorthin zum Einkauf für das Frühjahr beschäftigt war. „Es muß blitzen, bevor zwei Jahre verstreichen,“ sagte ich zu mehreren meiner Bekannten, und wenn Ihr in Euren Unternehmungen auf diese Weise fortfahrt, so habt Ihr jedes Jahr ein schweres Ungewitter zu bekämpfen.
Wovon ich in jener Zeit voraussagte, daß es kommen würde, das ist früher gekommen, als ich es erwartete. Philadelphia’s Banken sind nicht mehr, bald dürften die von Baltimore und andern Städten nachfolgen; aller Augen sind jetzt auf die von New-Orleans und New-York gerichtet. Jeder wünscht das Fortbestehen derselben, allein zu untersuchen wäre es doch, ob dasselbe in der Zukunft wohlthätig oder schädlich wirken wird und der Verfasser behält sich vor, später darauf zurückzukommen. Derselbe glaubt, daß die Einstellung der Baarzahlungen zu einer und derselben Zeit von allen amerikanischen Banken im Ganzen, eher vortheilhaft als nachtheilig für das dortige Waarengeschäft sein müßte. Freilich würden hierdurch momentan auch die Europäischen Fabriken leiden, allein sie würden sich nachher aus ihrem kranken Zustande erheben und geheilt werden. Kaufmännische Geschäfte können nicht durch Kunst erweitert werden, jedes solche Mittel wird unter hundert vorkommenden Fällen vielleicht Einmal glücken. Da das Uebel in den beiderseitigen Geschäften durch die vielen Banken, wie bereits gezeigt, verursacht worden ist, so wird die Heilung desselben nur durch Ausrotten mehrerer Banken möglich sein, wozu jedoch Zeit und vernünftige Maßregeln von Seiten der Regierung nöthig sind. Papiergeld muß als ein zur Bequemlichkeit dienliches Mittel, aber nicht als das für Geschäfte wahrhaft Fruchttragende angesehen werden; es kann nur in so fern wirksam für Handel und Gewerbe sein, als eine hypothekarische Sicherheit dafür vorhanden ist.
Schon vor meiner Abreise nach Havana, bei meinem ersten Aufenthalt in New-York, warnte ich manchen jungen Deutschen; sagte ich doch zu dem Einen und Andern: lassen Sie sich nicht tief in die hiesigen Geschäfte ein, wenn Ihnen Ihr oder Ihres Vaters Vermögen lieb ist. Man lachte wegen meiner Furcht, man versicherte mir, Amerika sei das Land, in welchem es nichts als gediegene unternehmende Kaufleute gebe, welche rascher 12 Colly’s Waaren kaufen, als der deutsche Kaufmann eben so viele Stücke. Alle jene jungen Kaufleute, die freilich noch nicht lange aus der Schule entlassen waren, träumten von Glück, in einem Lande mit einer Bevölkerung von 13 Millionen, mit schmutzigem Papiergelde, ohne irgend eine Sicherheit zu haben, d. h. sie glaubten hier reich werden zu können, während sie es für unmöglich hielten in ihrem Vaterlande mit einer mehr als doppelten und zugleich reichen Bevölkerung Brod zu erwerben. Allein diese Leutchen sangen jetzt ein anderes Lied, als ich von Havana zurückkehrte und Mancher fragte mich: „Wie haben Sie das vor Ihrer Abreise wissen können?“ Die Antwort war: weil die erste Ihrer Banken mir für ihre eigene Bank-Noten nicht 200 Piaster in Gold, wie ich es forderte, geben konnte.
Indeß, meine damals niedergeschriebenen Notizen sind jetzt in so fern überflüssig, als jetzt bereits das geschehen ist, wovon ich damals erwartete, daß es kommen würde; es ist schneller geschehen, als ich es erwartete. Meine Warnungen, welche ich an die kaufmännische Welt richten wollte, sind jetzt überflüssig, da dieselbe durch die neuern Ereignisse selbst hinreichend gewarnt ist. Dies soll mich jedoch nicht hindern, Mehreres von diesen Notizen mitzutheilen, was bei der gegenwärtigen Lage zu wissen nicht unnütz sich beweisen wird. Zunächst Einiges über die Handelsbilanz der V. S., worüber die Meisten so sehr im Irrthum sind. Sie glauben, daß der Werth des Exports weit über dem des Imports steht, allein das verhält sich auf entgegengesetzte Weise; ich werde zum Beweise eine Tabelle von den Imports und Exports, so wie von den zur Consumtion versteuerten Gütern in den Jahren 1829 bis 1839 anfügen, woraus der Leser das für ihn Nützliche ziehen mag. Wenn selbst der Export den Import im Werthe bei Weitem überstiege, so würde dies keineswegs für die Solidität Bürgschaft gewähren, indem beide hierbei wirkende Theile in ganz verschiedenen Verhältnissen sich befinden; denn der Exporteur ist der Produzent, welcher für seine produzirte und jetzt exportirte Güter den Betrag in Comptanten empfängt, die er seiner Geldkiste in Sicherheit bringt, und nur vielleicht einen sehr geringen Theil davon für Waaren, die importirt werden, verwendet; wogegen der Importeur für den Belauf des Imports aus andern Mitteln Sorge zu tragen hat. Folgendes ist die Liste hierüber, die nach den Washingtoner Berichten (return) abgefaßt ist.
Da es aber auch nicht ohne Interesse sein kann, zu wissen, aus und nach welchen Ländern bestimmte Quanta importirt und exportirt worden sind, so hat der Verfasser die Tabelle Nro. 2. beigefügt, welche über die In- und Ausfuhr in den Jahren 1837 und 1838 Rechenschaft giebt.
Nro. 1.
| Import | Piaster | Export | Consumtion |
| 1829 | 74,492,527 | 62,258,671 | 57,834,649 |
| 1830 | 70,876,920 | 73,849,508 | 58,499,441 |
| 1831 | 163,191,133 | 81,310,533 | 83,157,593 |
| 1832 | 101,029,266 | 87,176,943 | 76,989,793 |
| 1833 | 108,118,311 | 90,130,433 | 88,295,576 |
| 1834 | 126,521,332 | 104,336,973 | 102,708,521 |
| 1835 | 149,896,742 | 121,603,077 | 129,391,247 |
| 1836 | 189,980,035 | 128,663,540 | 168,233,675 |
| 1837 | 140,989,217 | 117,419,376 | 119,134,255 |
| 1838 | 113,717,404 | 104,486,616 | 101,264,609 |
| 1839 | 170,600,000 | 96,351,450 | 140,000,000 |
| 1207,772,888 | 1037,587,120 | 1123,561,359 | |
| 1037,587,120 | |||
| Mehr importirt als exportirt | |||
| für[I] | 170,185,768 | Piaster. | |
| Wenn mithin, gemäß dieser Liste, die | ||
| Einfuhr | Piaster | 1,207,772,288 |
| betragen hat, wovon jedoch nur für | 1,123,561,359 | |
| versteuert wurden, so sind die Waaren nur | ||
| für die Summe von | Piaster | , 84,211,529 |
entweder noch im Depot, oder sie sind aus den Depots zollfrei plombirt ausgegangen und verschifft worden. Jetzt entsteht die Frage, aus welcher Quelle die 1207 Millionen Piaster zur Baarzahlung für den Import geschöpft werden? Denn der Baumwolle-, Reis- und Tabacks-Produzent consumirt doch nur etwa den zehnten Theil der importirten Waaren und schließt die übrigen 9⁄10, der erhaltenen Baarzahlung in seiner Kiste ein. Sind folglich die Amerikaner jene Summe noch in diesem Augenblick den Europäern schuldig? Den größten Theil derselben allerdings! erwiedert hierauf der Verfasser; es ist ihnen jedoch Deckung dafür geworden; indem sie Eisenbahn-, Canal- und andere Actien erhielten. Die Amerikaner haben mithin für den Ertrag der Erzeugnisse ihres Bodens im Laufe aller 11 Jahre nichts als Luxus-Artikel erhalten, welche zum Theil consumirt worden sind, zum Theil aber auch noch bei den Jobbers in Pearl, Ceder- und Chatham-Street in ihren Gewölben als veraltet und Ladenhüter aufgestapelt liegen. Wollte man, wie ich bereits oben (P. 32.) bemerkt habe, das Arbeitslohn darauf in Abrechnung bringen, so würde sich dennoch ein bedeutender Verlust zeigen.