Dem Präsidenten General Jakson schien bei seiner Einsicht in die Bank-Geschäfte dies Treiben sehr gefährlich fürs Land; er sah klar, daß das Land mit englischen Manufactur-Waaren bald überschwemmt werden müßte, wenn diesem Uebel nicht gesteuert würde; er hemmte das Discontiren aller dergleichen Wechsel in den Banken, welche unter der Aufsicht seiner Regierung standen. Diese Maßregel erregte die Aufmerksamkeit der Bank of England, die Direktoren warfen die Blicke auf ihre Schubladen, in welchen die von den verschiedenen Banken discontirte Wechsel lagen und, o weh! darunter befanden sich so viele von den mit W. bezeichneten drei Häusern, daß die Nachwehen unausbleiblich schienen. Die Bank of England ergriff jetzt ernsthafte und ähnliche Maßregeln, wie die des amerikanischen Präsidenten und dreimal o Weh! Jene Häuser und eine sehr bedeutende Bank in Leeds, nämlich die Northern-central Bank wurde (um das Fallen der Actionaire zu verhindern) von der Bank of England gestützt und hörte von dieser Zeit an auf, Bank zu sein.

Um dem Leser ein anschauliches Bild von diesen englischen Bank-Geschäften zu geben, will ich das Beispiel von einem Tagelöhner in Leeds anführen, welches ich selbst erlebt habe. Der Verfasser wurde nämlich eines Tages von diesem Tagelöhner ersucht, ihn, da er sich als Kaufmann etabliren wolle, mit einem Vorschuß von 10 L. St. zur Anschaffung der erforderlichen Handels-Utensilien und einen kleinen Unterricht im Waarenfache zu unterstützen. Dieser Mann erhob sich sehr bald als Kaufmann, und stand auch eben so bald in der Londoner Gazette als Fallit mit einer sehr bedeutenden Summe von vielen 1000 L. St. Er hatte vermittelst Hülfe der Banken Theil am englischen Welthandel genommen und man fand unter den in der Northern-central Bank unbezahlt gebliebenen Wechseln auch mehrere der seinigen im Belaufe von einigen Tausend L. St. Er war Grund-Nichteigenthümer geworden, um Actionair des letztgenannten Bank-Instituts werden zu können. Dies ist ein sprechendes Bild des gepriesenen englischen Welthandels!

Englands Banken hatten auch einen bedeutenden Einfluß auf den deutschen Wollmarkt — ein Gegenstand der genau genommen zwar nicht hierher gehört, der jedoch zu interessant ist, um ihm nicht en passant einige Aufmerksamkeit zu schenken. Die Wollproduction in Deutschland, behaupte ich, mußte durch Englands viele Banken zunehmen, aber eine förmliche Umwälzung ist auch hierin unausbleiblich. Die Sache nämlich verhält sich also: Spekulationen jeder Art, wurden durch den Beistand jener Banken unternommen. Dieser Beistand bestand darin, daß die Spekulanten mit Accreditiven auf London versehen wurden, von dort mit solchen auf Hamburg und von da endlich mit denselben Mitteln auf Berlin, Breslau, Stettin u. s. w. als Woll-Einkäufer ausgerüstet wurden. Kein Wunder daher, daß es deren jetzt in Hülle und Fülle gab, und daß es auf allen Märkten davon wimmelte. Jeder derselben wollte, oder mußte kaufen; die Preise erreichten hierdurch eine enorme Höhe ohne eigentliche Ursache, d. h. ohne daß ein wirklicher Bedarf in dem Maße, wie Viele und besonders die Produzenten glaubten, vorhanden gewesen wäre. Die niederländischen Fabrikanten fürchteten, die besseren Sorten von den Engländern aufgekauft zu sehen, und griffen also rasch zu; was blieb denn da den Engländern anders übrig, als auch rasch zuzugreifen? Die Produzenten griffen nun auch zu — den vollen Champagnerflaschen; lachten sich dabei ins Fäustchen, ließen beim Champagner die Einkäufer hoch leben und versicherten diesen, (ungeachtet sie ihre Wollen wie Seide bezahlt bekamen) daß sie bald zu Grunde gehen müßten, wenn die Preise sich nicht höher stellen würden. Die englischen Einkäufer hatten mithin jetzt deutsche Wollen mit deutschem Gelde gekauft, und brauchten sich bei dem Verkauf in England nicht zu übereilen; hatten sie doch durch die verschiedenartige Trassirungen Zeit genug und außerdem auch in den Banken ein Schutzmittel gegen Verlegenheiten.

In Folge dieses großartigen Wollhandels in England bildete sich jetzt auch ein solcher in Deutschland. Leute ohne Kenntnisse und aus allen Klassen wurden Wollhändler, und das Resultat war, daß es zuletzt an diesem Product fehlte, ohne daß ein Bedarf in gleichem Maße dafür existirte — für die Produzenten ein steigender Vortheil.

Daß ein Mißtrauen gegen die englischen Banken eine große Veränderung im Woll-Geschäft herbeiführen müßte, war vorauszusehen. (Der Verfasser machte sogar einen unserer ersten Wollhändler bei einem Zusammentreffen in Hamburg hierauf aufmerksam.) Durch jenes Mißtrauen mußten die Accreditive auf London und somtit auch die Anzahl der Einkäufer abnehmen; man kauft jetzt nur noch rohes Material, wenn es für Fabriken gebraucht wird, und englische Spekulanten sind deshalb in Deutschland im verjüngten Maßstabe anzutreffen; sie schreiben indeß zur Beruhigung der deutschen Wollhändler: the money-market is bad (der Geldmarkt ist schlecht) besser übersetzt: auf allen Märkten ist kein Vertrauen zu kaufen. Bald wird es eintreten und wir werden wieder spekuliren können. Sollte indeß auch der Spekulations-Geist, (wie es von Vielen erwartet wird,) durch ein zurückkehrendes Vertrauen wieder Raum gewinnen, so dürften doch die Wollpreise nicht zu ihrer vormaligen Höhe zurückkehren, weil die Production, wie es scheint, bei Weitem die Consumtion übersteigt. Obgleich über die erstere keine zuverlässige statistische Uebersicht existirt, so glaubt der Verfasser dennoch, daß dieselbe in den gesammten Vereinigten Staaten, van Diemens Land, Australien und Europa auf drei Pfund für jeden Kopf anzuschlagen ist, welches Quantum zu groß wäre, um in Einem Jahre verbraucht zu werden. Wirft man einen Blick auf die nachgebliebenen Bestände des rohen Materials und auf die Vorräthe der daraus verfertigten Stoffe mit der Berücksichtigung, daß die neuen Wollmärkte nicht fern mehr sind, so wird man eine Umwälzung in diesem Geschäft nicht für unwahrscheinlich halten. Dies, wie bemerkt en passant und nun zur Hauptsache zurück!

Durch jene Maßregeln der Bank of England mußte nun im Waarenverkaufe (denn Absatz kann man denselben nicht nennen, da noch Alles ungebraucht da lag) eine Stockung entstehen. Nichts desto weniger wurden in den, für den Welthandel eingerichteten Fabriken täglich Massen fertig — was auf die Preise so nachtheilig wirkte, daß sie in Kurzem eine Veränderung von 25–30 Procent erlitten; mit diesem Verlust hat der Verfasser selbst bedeutende Parthieen verkauft. Den englischen Fabrikanten kam diese Stockung unerwartet; sie waren nunmehr gezwungen, andere Märkte für ihre Erzeugnisse zu suchen, denn fort mußten sie, da mit jedem Tage neue fertig wurden. Wohin damit? Nach den westindischen Colonieen, nach Havana, nach St. Thomas, Vera-Cruz etc. In allen Fabrikstädten Englands wimmelte es damals von Reisenden der dortigen erprobten Commissionaire; diese sind bereit, den Fabrikanten die Hälfte des Werths auf die in Commission ihnen zuzuschickenden Waaren vorzuschießen, und beauftragen ihre Freunde in London, hierin, so lange es den Fabrikanten belieben sollte, gegen Empfang der Connecemente fortzufahren. Die Fabrikanten gingen darauf ein, weil sie sich von ihren Waaren befreien mußten; wie es den Einsendern bekommen sein kann, läßt sich nach meinem Handelsbericht aus Havana folgern.

Auf solche Weise erfreute sich England des sogenannten Welthandels — eines ruinirenden Handels, der durch die vielen Banken, die Krebsschäden der englischen Fabrikwelt, entstand. Daß unter diesen Umständen die Amerikanische Waarenhändler nicht auf Geld-Unterstützung von Seiten Englands rechnen dürfen, möchte aus dem Vorhergehenden so ziemlich einleuchten; noch deutlicher aber zeigt sich dies durch folgenden Umstand.

In Englands Interesse liegt es allerdings, den Amerikanischen Manufactur-Waaren-Handel nicht allein zu erhalten, nein! sogar auszudehnen, weil hierdurch Englands Grundeigenthum an Werth gewinnt, und durch letzteren wird überhaupt der Reichthum eines Landes bestimmt. Daß Englands Grundeigenthum hauptsächlich in seinen zum Theil unbeschäftigten Fabriken, und Maschinerieen besteht, hat sich in diesem letzten Jahre mehr als je gezeigt. Durch den Abfluß der coursirenden Münzen für die früher angeführten aus Deutschland, Rußland u. s. w. importirte Waaren, wozu noch, wegen der Mißärndte und des Getraidemangels in England das aus Deutschland einzuführende Getraide kam, hierdurch also wurde der fünfte Theil der englischen Baarschaft, (welche nach statistischen Berichten im Jahre 1824 sich auf etwa 24 Millionen L. St. belief,[H]) den vereinigten Königreichen entzogen. Da nun die englische Bank für ihre übermäßige Anzahl von Noten keine andere Hypothek als die coursirende Münze darbieten kann, so wurden hierdurch die Grundsäulen der englischen Bank dermaßen erschüttert, daß sie zu einer Anleihe in Frankreich ihre Zuflucht nehmen mußte.

England muß mithin durchaus den Wahn aufgeben, daß der Reichthum nur aus den Fabriken hervorwachse, sonst dürfte vielleicht noch die Zeit kommen, daß sich englische Fabrikanten zum Eintausch von Getraide mit ihren Erzeugnissen auf den deutschen Kornmärkten zeigen müssen.