»Wie ungerecht. Ich war ja dabei.«

»Na also.«

»Das kam so. Er erzählte uns, wie kolossal der Betrieb im Hauptrestaurant sei. Da sind fünfundvierzig Köche und fünfzig Spülfrauen und gegen zwanzig Messer- und Silberputzer und über vierundvierzigtausend Tischtücher und Mundtücher und, denken Sie sich, achttausend tiefe, neunzigtausend flache Teller und achtzehntausend Beitellerchen und zwölftausend Messer und Gabeln. Und das wollte Tante Lina nicht glauben. Durchaus nicht.«

»Sie hätte sich ja blos überzeugen brauchen.«

»Sie sagte, so viel Geschirr gäbe es überhaupt nicht und das nahm er selbstverständlich übel.«

»Wann war das?«

»An demselben Abend.«

»Jetzt verstehe ich. Sie hat auf ihn gehalten und glaubt, sich in ihm getäuscht zu haben und bereut, daß sie seine Annäherung an Dich begünstigte. Sehr einfach.«

»Aber Kriehberg hat nicht gelogen.«

»Wenn Du eine kleine Stadt ausschüttelst, fallen nicht so viel Teller heraus, als im Hauptrestaurant täglich gebraucht werden, das ist klar. Und deshalb hält Tante Lina solche Porzellan-Anhäufungen für kalten Aufschnitt. Es giebt eben Wahrheiten, die manchmal keine sind. Kriehberg fehlt es an Welterfahrung und das ist bei einem Manne schlimm. Am Schlimmsten aber für die Frau, denn Dämlichkeit des Gatten ist kein Scheidungsgrund.«