Und zum Abreisen nicht die schwächste Anstalt.

Ich verhörte Ottilie. Die sagte, sie wären mit Herrn Kriehberg in Kairo gewesen und als Tante Lina das Kairo-Kleine-Journal, worin die Musiknummern stehen, durchgesehen hätte, wäre sie mit einem Male blaß geworden und wie ohnmächtig. Und seit dem Abend hätte sie es. Am liebsten säße sie auf einer Bank im Wandelgang und rührte sich nicht vom Fleck, immer nur die Vorübergehenden anstarrend, ganz wie Leonore, die um's Morgenroth fährt, wie Kriehberg sich geäußert hätte.

»Sehr unpassend,« schalt ich. »Wer das Alter nicht schont, ist auch anderer Unmoralitäten fähig. Wie stehst Du mit ihm?«

Sie schwieg.

»Genickt hast Du, aber hoffentlich nicht Ja gesagt. Ottilie, Kriehberg paddelt noch; hängst Du Dich an ihn, geht er unter in dem Strome des Lebens. Warte wenigstens, bis er auf dem Trocknen ist. Binde nicht Dich, binde nicht ihn. Und wenn er geht, was bist Du für ihn gewesen? Eine Sommerliebe, die um's Morgenroth flattern kann.«

»Nein, nein. So schändlich kann er nicht sein.«

»Schändlich nicht, aber leichtsinnig. Er hält ja nirgends aus, also auch nicht bei Dir. Und Tante Lina hat ihn auch erkannt; er hat sie nämlich gräßlich angelogen.«

»Nein, nein!«

»Das hat sie mir selbst gesagt.«