Ich setzte mich zu ihr. Sie merkte es nicht.

»Tante Lina,« sagte ich.

Sie schrak ein wenig zusammen. »Ach Sie sind es,« sagte sie und sah wieder wie abwesend in die vorüberwogende Menge.

Auf einmal überkam sie heftiges Zittern, ihr Athem ging rasch und hörbar. »Was ist Ihnen?« rief ich besorgt und war schon auf dem Sprung, die Sanitätswache zu alarmiren.

Ein Herr ging daher, ihm zur Seite in einem Zähluhrfahrstuhl eine Dame. Sie sprach zu ihm, er neigte sich und antwortete freundlich auf ihre Fragen. Es war abendkühl. Er legte ihr seinen feinen, seidengefütterten Paletot über die Füße.

Sie lächelte ihm Dank zu. Eine recht nette Frau und ein stattlicher Mann, schon etwas weißlich an den Schläfen, aber das kleidete ihn gut.

Als das Paar in unserer Nähe war, rief Tante Lina: »Johannes. — Johannes!«

Der Herr wandte sich um. Hatte ihm der Ruf gegolten, der so weh klang und erstickt, als hätte ein verlassenes Kind nach der Mutter geweint?

Er blickte mich an, er blickte Tante Lina an. Dann schüttelte er leicht sein Haupt und schritt weiter.

Tante Lina war zusammengesunken; die Kunstlocken hingen vornüber und beschatteten ihre Augen. Es durchzuckte sie ruckweise, wie große Qual den Menschen durchbebt.