»Wo kommst Du denn her?« fragte die Ungermann.
»Ich bin als Elektrotechniker engagirt,« antwortete er. »Papa meinte, ich sollte es annehmen: bei den kolossalen Anlagen hier könnt' ich mich nur vervollkommnen.«
»Elektrotechniker?« redete ich ihn mißtrauisch an. »Als wir vor einiger Zeit, wie der Zufall es so fügte, an ein und demselben Tisch in Unterhaltung geriethen, sagten Sie doch selbst, Sie wüßten nicht einmal, was Elektricität sei.«
»Das weiß auch noch Niemand!« entgegnete er unbefangen. »Kein Gelehrter kann bis heute sagen, was sie ist. Wir kennen ihre Erscheinungsformen. Alles andere ist Theorie.« — Ich dachte ihn zu überführen, aber wenn die Sache liegt, wie er sagt, dann war unmöglich richtig, was Ottilie über das Wesen der Elektricität vortrug. Mir dämmerte so etwas wie Blamirung auf.
Ottilie war ganz roth geworden, stark lippenpomadenroth.
Tante und Neffe erkundigten sich gegenseitig nach ihren Erlebnissen seit dem letzten Zusammensein; Ottilie und ich gingen voran zur Schocolade, die jedoch mit Hindernissen verbarrikadirt war, und zwar in Gestalt von Herrn und Frau Krause und Butsch und Gattin, die auf uns zu stießen.
Die Krausen hochelegant. Mein erster Gedanke war, »wie kommt sie dabei?« und ehe ich einen zweiten fassen konnte, sie mir vortriumphirt, daß sie alles vermiethet hätte mit Verpflegung und fabelhaft verdiente. Ich zog natürlich gleich die Hälfte ab.
»Feine Leute,« schwaddronirte sie, »und so zufrieden mit allem, Geld spielt gar keine Rolle. Nun sie merken ja auch gleich, daß sie es mit Bildung zu thun haben. — Sie sind doch auch so schlau, zu vermiethen? Oder haben Sie noch Zimmer leer?«
»Alles besetzt,« gab ich zur Antwort. »Mein Mann schläft sogar in der Fabrik.« — Und das war der Wahrheit gemäß. — »Wir persönlich schränken uns auch ein,« fuhr sie fort.
»Das sieht man Herrn Krause an,« warf ich ihr vor. »Ich, an Ihrer Stelle, würde den Fremden nicht alle die kräftigste Bouillon allein geben oder lieber ein halbes Pfündecken Fleisch mehr nehmen, damit der Mann auch was hat.«