»Da sieht man, auf was für Fahnen die Damen verfielen, um ihre Nebenbuhlerinnen zu ärgern,« sagte ich zur Ungermann, die diesen Stich nothwendig versetzt haben mußte, weil sie doch nichts weiter sinnt, als sich mit ihrer Kleedage beneiden zu lassen. Ob sie Glück haben wird? Kaum. Grün mit erdbeercremefarbigem Besatz erregt meiner Ansicht nach höchstens Bedauern. Und das nennt sie eigenen Geschmack. Sie aber gethan, als hätte sie nicht verstanden. »Gottlob, daß wir nicht in so ordinärer Vergangenheit leben,« sagte sie, »wir schreiten eben vorwärts; auch die weißen Röcke kommen ab. Haben Sie den Unterrock von gelb und blau chinirter Seide gesehen? Solchen schaffe ich mir an, er ist wie ein Gedicht.«

»Aus der goldenen Hundertzehn,« ergänzte ich ihre Schwärmerei und dachte, ob sie wohl vorhat, den Leuten das Nähmaschinengedicht auf dem Thurmseil vorzudeclamiren, worüber ich in lächelnde Stimmung gerieth, in der ich den Antrag auf Verweilung im Freien stellte, mit einem Täßchen Eis-Schocolade bei Hildebrand. — Wurde angenommen.

Wie wir nun unterwegs das große Becken betrachten, worin der Lichtspringbrunnen emporlodern soll, stößt Ottilie mich an und flüstert: »Da ist er.«

»Wer?«

Ich hingesehen und richtig, da steht der Adonis von neulich in Lebensgröße und giebt einem Arbeiter Anweisungen aus einem Taschenbuch. Er wird uns gewahr, zielt scharf herüber und eilt auf uns zu.

»Herrjeh, Tante Ungermann,« ruft er, »Du in Berlin? Also täuschte ich mich nicht, als ich Onkel kürzlich im Olympia-Theater zu sehen glaubte.«

Tante und Neffe begrüßten sich und sie stellte ihn vor.

»Rudolph Brauns, mein Schwestersohn.«

Ich verneigte mich gemessen. Ottilie erröthet.