Täuschungen.
Was dem Menschen im Buche des Schicksals angekreidet steht, das wird ihm besorgt. Für mich stand eine Nähmamsell drinn und ich habe sie. Hinter meinem Rücken hat die Ungermann sie gedungen und in Thätigkeit gesetzt, als ich pflichtgemäß außer Hause war. Und wer hat ihr dabei geholfen? Die Krausen.
Hätte ich die Beiden doch nur nicht miteinander bekannt gemacht. Aber es mußte so kommen.
Die Ungermann beschwabbelte mich, mit ihr noch einmal die Costüme zu begutachten und ich ging darauf ein, weil ich später selbst darüber sachgemäß berichten muß, obgleich ich nicht kapabel bin, mich in die confectionelle Schreibweise hineinzuzwängen, wodurch die Modeberichte immer ihre Pompösität kriegen. Ich weiß nämlich nicht, wo ich die Fremdworte alle aufgabeln soll, die kunstvoll in die Sätze vernäht werden, damit sie etwas hergeben.
Und schließlich: was ist Mode? — Es ist dasjenige, weswegen man ausgelacht wird, wenn man es nicht mitmacht, und das man auslacht, wenn es nicht mehr mitgemacht wird. So denke ich darüber.
Man sieht es ja. Kaum nehmen die Damen bei dem Trachten-Panoptikum von Moritz Bacher Aufstellung: heiter werden sie und schmunzeln und kichern und machen sich lustig über ein Jahrhundert Mode und halten es für unmöglich, daß verständige Menschen sich jemals so zu Schauten machten, außer auf Maskenbällen. Das Ungreiflichste ist ihnen die Krinoline, aber damals, als sie aufkam, hielt es jeder für heiligste Pflicht, das Birnenhafte den Franzosen nachzuäffen und in allem Ernste schön zu finden.
Wie wohl nach hundert Jahren über unsere Mode gespottet wird? Aber es geht nun einmal nicht anders. Anhaben muß der Mensch etwas. Barfuß bis unter die Arme, wie die alten Griechen, ist nur Statuen erlaubt.