»Tante Lina, wollen wir nach Hause?«
»Ja. Und morgen reise ich. Ich habe Alles in Ordnung: mein Sterbekleid liegt im Schubkasten unten im großen Spinde. Und Tischler Grawert weiß Bescheid, blos ein einfacher Sarg, ganz einfach. Alles in Ordnung.«
»Nicht doch, Tante Lina. Ich lasse Sie nicht eher, als bis Sie wieder froh und heiter sind. Weg mit so trüben Gedanken. Sehen Sie, wie schön und golden die Sonne auf die Kuppeln und Thürme scheint.«
»So?« fragte sie theilnahmslos. »Ich hatte eine Sonne, hier drinnen, die ist untergegangen. — Ob er wohl glücklich ist mit seiner Frau? — Ob wohl Kinder da sind? — Viedt's haben mir nie gesagt, daß er sich verheirathet hat. Sie wollten mir's wohl verheimlichen. Ja, Viedt's sind gut und Johannes ist der Beste.«
Sie erhob sich müde und wankend.
»Liebe Buchholz,« sagte sie sanft. »Haben Sie Dank, daß ich bei Ihnen sein konnte, daß ich ihn noch einmal sah. Ihm geht es gut; ich bin zufrieden.«
Wir verließen die Ausstellung und nahmen eine Droschke. Das Gewühl auf der Eisenbahn war nichts für Tante Lina.
Sie sprach unterwegs kein Wort. Ich glaube, sie begrub die Vergangenheit.