»Ach was; wie eine sich vorreitet, wird sie taxirt. Wenn sie sich auf dem Stahlhengst tummelt, mag es sie befriedigen, aber schön sieht anders aus. Möglich ist jedoch, daß die Schenkel sich mehr ausbilden, wenn eine keine hat...«

»Hinnerich, Du bist hier nicht im Kruge,« fuhr die Kliebisch dazwischen.

Der Ungermann ward dies Gespräch sichtlich fatal. Sie mit ihren Gräten hat natürlich gegen Sport, bei dem es auf einigermaßen Plastik ankommt, solche Abgeneigtheit, daß sie nicht mal darüber reden hören mag.

»Man muß bedenken, daß für Radfahrer neue Trachten geschaffen werden; schon jetzt beginnt ein gewisser Luxus in besseren und besten langen Strümpfen sich bemerkbar zu machen,« sagte Herr Ungermann.

»Karl, hast Du gehört?« rief ich. »In besserer Waare. Nein, wenn die Industrie dadurch gehoben wird, bin ich sehr für die Maschinenreiterei. Könnte die Regierung nicht gesetzlich befehlen, daß alle Reichsangehörige radfahren müssen und in einem Nebenparagraphen unsere Wollsachen amtlich verordnen? Würde das den socialen Frieden nicht gewaltig schüren?«

»Jawohl,« schrie Kliebisch. »Da haben wir wieder den Krämergeist. Die Industrie muß unterstützt und gefördert werden; die Landwirthschaft darf verhungern, das ist ihr angestammtes Recht. Aber wer soll den Herren Industriellen ihre Erzeugnisse abkaufen, wenn der Landmann kein Geld hat? Nur so weiter. Die Pferdezucht auch noch ruinirt und über das verarmte Land rollt die alleinseligmachende Industrie auf einem gottverdammten Unglücksrad in ihr eigenes Verderben. Zum Kuckuck mit den Dingern. Verboten müssen sie werden.«

»Wie Sie auch schelten,« wandte sich Herr Ungermann an Kliebisch, »das Rad ist dennoch von großer volkserziehlicher, sogar ethischer Bedeutung. Der Radfahrer muß sich auf seinen Ausflügen der größten Nüchternheit befleißigen; beherrschen ihn die Geister des Weines, ist er nicht im Stande, sein Fahrzeug zu beherrschen und wird sich selbst und anderen gefährlich.«

»Das ist er schon ohne Kümmel,« höhnte Kliebisch ausfallend.

»Ich bleibe dabei, das Fahrrad steht im Dienste der Mäßigkeit, gegen die leider zu oft gesündigt wird.«

Das mochte Kliebisch sich wohl als persönliche Bemerkung zugezogen haben oder sonst wie, genug, er blickte Ungermann spöttisch an und sagte: »Tugendpredigen und den Weg der Tugend wandeln ist zweierlei. Mir ist der Musterstall zehntausendmal lieber als hundert Musterknaben und wenn auch blos Gäule drinn sind und keine Stadtväter. Wer auf die Landwirthschaft schimpft, dem dien' ich.«