»Natürlich Scheidung,« sagte eine andere. »Et nimmt selten en fröhlichet Ende, wenn ne Olle sich'n Konfirmanden heranheirathet.«
»Jeschieht ihr janz Recht.«
Ich floh an den Möbelkojen vorbei, als hätte ich einen Eßtisch gestohlen oder einen Kronleuchter in die Tasche gesteckt, so unglaublich kam ich mir vor.
Ich bin auch wohl mal eifersüchtig gewesen in grundloser Dummheit unerfahrener erster Ehestandsjahre, aber mit Weinen und Abbitte und in wachsender Liebe zu meinem Karl, nie nicht mit Rachgierigkeit und Mordgelüst. Meinen Mann fordern! Lachhaft! Wenn er kommt, mein Karl ihm eine Backpfeife verabreicht, daß sie in Stücke fliegt. Aber Herr Brauns, der kann sich in Acht nehmen. Kriehberg ist ja toll, so verrückt, daß sie ihn in Dalldorf garnicht einlassen. Und mich für wahnwitzig halten... ich Kriehberg's Gattin. Giebt es keinen Schandpfahl für Weiber, die einem solche Verleumdungen nachschleudern? Freilich, man ist weiß wie der Schwan, der blos untertauchen braucht, wenn Gemeinheit ihn mit Stiefelwichse bewarf. Wo aber ist die reinigende Fluth für den mit Unwahrheit bekleckerten Menschen? Wo tauche ich unter, die Beschimpfung abzuspülen?
Wasser that es nicht. Doch ich weiß einen stillen See, der nimmt alle Kränkung, allen Unglimpf hinweg und ist nicht größer, als daß er mich gerade umfängt. Meines Karls Brust ist es, an die flüchte ich und er schließt mich in seine Arme und ich tauche in seine Liebe. Dann kann ich ihm alles sagen und, wenn ich Federn hätte: um neben mir nicht abzufallen, müßte mancher Schwan nach Spindler.
Ich eilte mich und kam gerade rechtzeitig, Frau Kliebisch und Ottilie in dem Stelldichein-Zelt zu treffen. Und wer war bei ihnen in schlichtem hechtgrauem Anzug wie angegossen mit blendender Wäsche, weißem Schlips, worin ein vornehmer Brillant, und grauem Hütchen, das die braunen Augen und den schwarzen Schnurrbart noch eine Nummer dunkler abstachen? Herr Rudolph. Was beginnen? Ihm von Kriehbergs Nebenbuhlerkoller sagen, ihm Ottilien's Verplemperung mittheilen und den Keim vernichten, worin das Glück zweier schöner Menschenkinder dem Lichte zustrebt? Nein. Wenn aber Kriehberg angefaucht käme? Die Schießröhren sind ja billig und überall feil, daß schon Klippschüler sie zur Vertheidigung ihrer Ehre aus dem Maikäberverdienst anschaffen. Also hat Kriehberg sicher Pulver und Blei in der Westentasche.
Die geistige Volksküche im Chemiegebäude, wo ich letzt mit Ottilie einem Vortrage über die Entwickelung des Klavierbaues beiwohnte, ist ein trefflicher Platz, jemand zu vermeiden, aber nur von Sechs bis Sieben. Der Klavierbau war sehr interessant. Ich fragte Ottilie, ob sie spielen könnte? Sie sagte nein, aber sie thäte es doch manchmal. »Das machen Viele so,« erwiderte ich, aber jetzt, da sie zum Drehen eingerichtet worden, sind Klaviere nicht mehr die Qual der Kinder und die Plage der Nachbarschaft. Alles Ueben ist schrecklich, nur nicht das Ueben der Tugend. — Ich gebe ihr zeitweilig solche Inschriften zum Einmerzen ins Gedächtnis, aber seit Rudolph Brauns sind sie bei ihr weggeworfen.
Herr Brauns lud uns zu einer Fahrt im Motorboot ein. Ich schützte sofortige Seekrankheit vor.
»Das war doch in Italien nicht? Wissen Sie noch in Venedig?« sagte die Kliebisch.