Wenn Jemand Schuld an dem Jammer hat, ist es Tante Lina. Nichts ist verderblicher, als das Heirathstiften, zumal von älteren Jungfern, die nur in der Theorie Bescheid wissen.


Provinz-Erlebnisse.

Geschäftsreisen sind keine Vergnügungs-Ausflüge. Freilich kann eine Geschäftsreise sich zur Quelle reinster Freuden gestalten, wenn der Absatz fluscht, neue Kunden anbeißen und die alten die Waare auftraggebender Weise loben. Anerkennung in Worten klingt sehr schön und befriedigt Dichter und Künstler, zumal in gedrucktem Zustande, aber mit Aufblähung ist dem einfach civilen Bürger nicht gedient; der hat Wechsel einzulösen, Fabrikanten zu zahlen, Rohstoffe anzuschaffen und Arbeiter zu lohnen, der muß umsetzen; denn was auch aufkommen mag, Geld bleibt egal Mode. In keiner Konfession sind die Menschen orthodoxer, als in der Anbetung des Geldes.

Unser Felix Schmidt konnte auf das Ergebniß seiner letzten Tour stolz sein, als er zurückkehrte. Er war vergnügt und mein Karl war so vergnügt, daß er mich mit in das Geschäftliche hineinzog, was er nur selten thut, wie ich ihm ja auch nicht mit jeder zerbrochenen Schüssel ins Gesicht springe und nur dann und wann erfreue, wenn ich wirklich Billiges, lächerlich unter dem Einkaufspreis erworben habe. Gewöhnlich berechnet er nach, daß er trotzdem viel zu hoch kam. Neulich kaufte ich auch etwas. Es sah aus wie eine Kneifzange und war patentirt und von zwei Mark auf fünfzig Pfennige herabgesetzt, blos es ließ sich nirgend wozu gebrauchen. Mein Karl drohte, das nächste Mal käme ich unter Kuratel. Ich entgegnete: »Wer eine Mark fünfzig sparen kann und es nicht thut, versündigt sich; übrigens die Frau soll noch geboren werden, die einem Ausverkauf widersteht. Also was brummst Du?«

Jetzt hatte ich Verwendung für den Gegenstand, indem ich ihn nebst anderen Niedlichkeiten als Aufmerksamkeit für Tante Lina mitnahm. Kann sie auch nichts damit anfangen, so freut sie sich doch über den guten Willen, der bei Geschenken das Werthvollste ist. Und den hatte ich.

Ob ich auf einer Geschäftsreise war, als ich in der Eisenbahn saß und nach Tante Lina fuhr, das vermochte ich nicht bestimmt zu beantworten, eine Vergnügungspartie war es jedoch nicht. Würde ich meinen Zweck erreichen? Vielleicht. Blieben meine Bemühungen fruchtlos, waren Fahrkarte, Zeit und Spesen der Katze geweiht. Aus der Füllung des Abtheils machte ich mir nichts, die Stadtbahn-Straffahrten nach Treptow hatten mich abgehärtet, und schon längst hatte ich den Unterschied zwischen Häringen und Berlinern herausgefunden. Die Häringe werden nämlich mit Salz gepökelt und die Berliner mit amtlichen Zumuthungen. Die Verpackung ist dieselbe.