»Sie sind ja noch jung. Es verheirathen sich so viele und sind glücklich.«

»Doch blos nicht in Berlin! Was kostet ein Haushalt in Berlin? Allein die Miethe. Und er hat nichts.«

»Oh, so viel wird er wohl haben.«

»Aber nein. Nicht so viel, die bescheidenste Wohnung zu nehmen mit Küche, eben groß genug, eine Karmenade auf einmal zu braten. Tante Lina, da haben Sie nicht gut gerathen.«

»Sie lieben sich.«

»Wissen Sie das so genau? Ich bin anderer Ansicht. Er allerdings will Ottilie...«

»Und sie ihn. Und ich gab ihnen meinen Segen und sprach, werdet glücklicher als ich und da verlobten sie sich mit Liebe und Treue für alle Ewigkeit.«

»Welcher Leichtsinn. Arme Ottilie. Tante Lina, haben Sie ihnen wirklich nichts versprochen? Garnichts? Reinigen Sie Ihr Gewissen, von Ihnen wird einst Rechenschaft gefordert, wenn die Beiden in Elend zu Grunde gehen.«

Sie mimmelte mit den Lippen. »Nun ja,« begann sie zögernd, »ich warf so hin, daß, wenn sie sich brav hielten, ich Ottilie in meinem Testamente bedenken würde, und das will ich auch.«