»O nein!« wehrte sie ab. »Viedt's haben gerade solchen in ihrem Laden und können ihn nicht los werden; von ihrem Lieferanten in Berlin, zur Probe. Es ist, mit Erlaubniß zu sagen, ein Reise-Taschenstiefelknecht.«
Zum Glück kam das Mädchen und meldete, die Post ginge gleich. Tante Lina hatte das Geschenk sichtlich übel genommen und wer weiß, ob ich sie herumgekriegt hätte, wäre ich ihr gleich zu Anfang mit den Spenden gekommen.
Guter Wille zieht nur dann, wenn er mit guter Laune zusammentrifft.
Es kommt zum Klappen.
Es war mir eine wahre Wohlthat, von Tante Lina ab, wieder nach Berlin hin zu streben, obgleich ich mich auf den nächsten Tag gefaßt gemacht und das Erforderliche mitgenommen hatte. An einem so wenig bleibwürdigen Platze sich länger als gezwungen aufzuhalten, rechne ich zu den Vergeltungen der Vorsehung, die man für bereits grasbewachsene Thaten aufgebrummt kriegt, — vielleicht daß man mal zu heftig gewesen ist oder Nebenmenschen es besorgt hat — mit Ausnahme der Krausen — oder was sonst nicht mehr zu ändern war, aber doch noch zu Buch steht. Gut, daß ich nichts auf dem Kerbholz hatte und mit der Post den Anschluß erreichte. Und Kriehberg sollen die Heirathsgedanken schon vergehen, wenn der Weg zum Traualtar nicht mit Markstücken gepflastert ist, wie er sich einbildet. Liebt er Ottilie wirklich und will er sie aufrichtig glücklich machen, giebt er ihr das Jawort zurück.
Und wie nette Reisegefährten traf ich in der Bahn. Das waren Leute, die sich auf den Besuch der Ausstellung freuten, weil sie schöne und bildende Beschreibungen darüber gelesen hatten, nicht die übliche Schlechtmacherei von Schreibmenschen, die nur herunterreißen, weil das Aufbauen so seine Mucken hat. Wer nie backt und braut, dem mißräth allerdings auch nichts. Und Fehler — wo ist völlig Vollkommenes? Man muß das Mangelhafte von dem Gelungenen absubtrahiren und das Gute gehörig zusammenaddiren und dabei berücksichtigen, daß Jeder seinen Privatgeschmack hat, dann ergiebt sich das richtige Exempel.