Was nützte es? Aus dem Kinde war nichts herauszubringen, das hatte ich eben vergebens versucht und was Dorette erzählte, war so klar verwickelt, daß ich klug blieb wie zuvor. Wenn nur Ottilie nicht zu Wasser gegangen war? Das wäre grauenvoll. Aber was ging die Kliebisch mit Herrn Brauns von dannen? Und Ottilie hatte ihr Handköfferchen mitgenommen. Man ertränkt sich doch nicht mit Gepäck? Wohin konnte sie geflohen sein und warum?

Wir sahen nochmal nach. Auch ihre Brennscheere war weg und ihr Morgenanzug und ihr Regenmantel. Nein, nasse Absichten hatte sie nicht gehabt.

»Dorette,« sagte ich, »selbst wenn Alles gut abläuft, einen anderen Dienst werden Sie sich suchen. Das sehen Sie hoffentlich selber ein?«

»Bis zu'n Frühjahr. Dann wollten wir Hochzeit machen, et kann sind, ooch ehr. Warum soll ick mir vorher verändern? Det wird die Frau mir doch nich anmuthen sind bei die ville Arbeed mit 'n Besuch? Die Frau is ja so jut.«

Sie weinte so reuevoll, daß ich sagte: »Es hängt von Ihrem ferneren Betragen ab. Gehn Sie zu Bett, Dorette.«

Ich setzte mich wartend in's Berliner Zimmer im Reiseanzug, innerlich und auswendig aufgelöst. Waren das Zustände. Kaum wendet man den Rücken und die Welt geht unter.

Und mein Karl, gerade da er nothwendig nicht weichen durfte, macht blau. Ob ich hinüber ging nach Betti, ihr mein Herz auszuschütten? Ich kannte ihr Mitgefühl im Voraus: »Mama, warum hast Du das Hotel eingerichtet?«

Endlich kam etwas die Treppe heraufgepoltert und in die Wohnung herein. Ich richtete meine Blicke fest auf die Thür.

Sie lachten draußen. »Wir heben noch Einen,« sagte jemand, »Ihr Cognac ist gut.« — Das war Kliebisch's Stimme.

»Mir recht.« Das war mein Karl.