Ein zerknirschteres zu Bett schleichen habe ich noch nie erlebt. Aber in dem Taumelbecher der Freude ist der Rest Bärme. Das mögen die Herren bedenken, wenn sie nicht nach Hause finden können.


Alt-Berlin.

Als ich zum ersten Male Alt-Berlin betrat, wurde mir ganz nachtwandlerisch. Das war vor der Baumblüthe zur Bauzeit mit der Gestattung, die werdenden Herrlichkeiten im Voraus zu besichtigen. Die Stadt stand schon. Eine ganze Stadt mit Straßen und Plätzen, einer Kirche, einem Rathhause, mit Festungswällen, Thürmen und Thoren, Brücken, Gäßchen, Ecken und Winkeln, eine Stadt aus vergangener Zeit. Berlin vor dreihundert Jahren, ebenso klein, armselig und gering.

Photographieen von damals sind nicht vorhanden, weil sie noch kein Collodium hatten und Zeichnungen und Gemälde wegen Mangels illustrirter Zeitungen ebenfalls nicht, so daß die Phantasie aufbauen mußte, was die Zeit langsam und die Menschen gewaltsam zerstörten. Aber alle sagen sie, gerade so hätte Berlin um's Jahr 1650 ausgesehen, und wenn Kliebisch meint, es wäre mehr ein Abguß von Kottbus und Angermünde, muß er erst beweisen, was er sagt. — Für mich ist es Berlin, schon allein, weil richtige vorzeitliche Thran-Latichten an den Tauen über den Straßen hängen.

Als ich im Maien-Sonnenschein durch die Stadt schritt — ganz allein — vergaß ich völlig, wo ich war. So still die Straßen, daß ich mich besinnen mußte, ob wirklich schon Pferdebahnen erfunden seien und ob die Stadtbahn, auf der ich vor kaum einer halben Stunde nach Treptow toste, nicht ein Spiel meiner Einbildung gewesen wäre. Wohin waren die Menschen verschwunden, die hier wohnten? Ausgewandert? Verjagt? Verstorben?