»Haben denn die das Moos gesehen?«
»Mehr als das. Ich habe fleißig studirt, bin auf der Akademie mit Preisen ausgezeichnet, ich habe Bilder gemalt...«
»Und jetzt streichen Sie Häuser an?«
»Was bleibt mir? In der Kunst-Ausstellung hat man für meine Arbeiten keinen Platz. Da hängen sie allen möglichen Schmierkram aus Frankreich und Belgien, Holland und wer weiß sonst noch von wo her an die Wände, bis das Lokal vollgestopft ist und sagen zum Deutschen: Du kommst bei internationalen Bestrebungen an den Katzentisch oder bleibst besser ganz zurück. Ja, wenn die Ausländer blos Meisterwerke schickten, gut, dann hat die Kunst den Oberbefehl. Aber wenn sie ihren Abhub mit einpacken, begreift man nicht, warum unsereins verzichten muß, dem Publikum seine Leistungen vor Augen zu führen, die es mit den Fremden dreimal aufnehmen. Und wo ist sonst Gelegenheit, an das Urtheil des Publikums zu appelliren als auf den großen Ausstellungen? Die Akademie wird vom Staate erhalten, hat man sie durchgemacht und will vorwärts, heißt es, die staatlich begünstigte Ausstellung bedauert, keine Ecke für Dich zu haben, nicht die kleinste. Dagegen nehmen sie Schinken, die ein verrückter Norweger sudelt, auf, weil... weil so was international ist. Darum male ich jetzt Dachpfannen und Moos und quaste Mauern an und verdiene damit. Ich geh' überhaupt zum Handwerk; von Kunstgenossen, die nicht mehr können, als ich, mich bevormunden zu lassen, bin ich zu stolz.«
Ich sagte: »Jeder muß wissen, was er thut; und das ist wahr, an tüchtigen Professionisten fehlt es. Wenn Sie sich gesetzt haben, schicken Sie mir Ihre Geschäftskarte, unsere Malerarbeit bekommen Sie.«
»Nein,« rief er, »so meine ich es nicht. Ich widme mich dem Kunsthandwerk. Früher ersann jeder Handwerker sich seine Muster selbst. Heute ahmen sie nach, was vorhanden ist. Ich will Neues schaffen. Und ich kann es, habe ich doch im Geiste der alten Zeit ohne Muster jetzt gearbeitet und meine Schaffenskraft erkannt. Im Geiste der Neuzeit ersinne und zeichne ich weiter. Machen wir.«
Darauf zeigte er mir Verzierungen und Geranke, Beschläge und vielerlei, was er erfunden und gemalt. »Es lebe Alt-Berlin,« rief er, als er sah, wie ich mich daran ergötzte, »von ihm aus geht mein Lebensweg.«
»Vom Fischerdorf zur Kaiserstadt,« fiel ich ein, »nur Muth und Selbstvertrauen.«
»Und Arbeit und Gelegenheit zur Entfaltung des Könnens. Das Handwerk ist heute freier als die Kunst, die sich in Mode und Klickenwesen enge Zunftschranken zieht. Und verhungern, weil einige Leithämmel zur Veränderung sich auf dürre Haide verrannt haben? Danke. Ich will leben und verdienen. Und das machen wir.«
»Sehr vernünftig,« sagte ich. »Gut, wenn junge Leute zur Einsicht kommen; alten nützt sie meist nichts mehr.«