»Entweder ganz echt oder gar nicht,« meinte der Amtsrichter. — »Oder wenigstens komisch,« erwiderte ich. »Die Ritter z. B. mit Ofenröhren und Theekesseln, daß man lachen könnte.«

»Hier scheint etwas zum Lachen zu sein,« sagte er. »Gehen wir hinein in die Singspielhalle?«

»Ich fürchte, es ist zu rauchig drin für die Damen,« weigerte sich mein Karl. Das fiel mir auf. Wir hinein. Ich voraus.

Ein großer Raum, am Ende eine Bühne. Auf der Bühne vergoldete Stühle und auf den Stühlen ein gutes Dutzend Sängerinnen. Alle in kurzen Kleidern, wenn man, was sie anhatten, noch ein Kleid nennen will. »Dies ist ja ein Tingeltangel,« sagte der Sanitätsrath, »gehen wir.« — »Den hab' ich längst einmal sehen wollen,« entschied ich, »bleiben wir.«

Nun sang eine nach der anderen. Immer von Liebe mit Zubehör. Stimme meist nicht vorhanden. Dafür um so mehr Mimik. Mir wurde siedeheiß, wie sie sich betrugen. Aber die Herren in den Vorderreihen johlten Beifall und die Frauenzimmer lachten ihnen zu und machten Augen. Und was für welche! Nun wußte ich, wieso Ungermann seine multerigen Bekanntschaften in Alt-Berlin gemacht hatte, dies war sein Stammlokal gewesen und meinen Karl hatte er auch hingelockt. Warum wollte der sonst sich drücken?

Unsere Herren waren verlegen, daß wir Damen einmal sahen, wie ein Tingeltangel beschaffen ist, bis auf den Amtsrichter, der sich amüsirte. Der durfte, der war unverheirathet.

»Was sagst Du dazu?« fragte ich Betti. Sie antwortete nicht. Sie war bleich und saß kerzengerade, wie früher immer, wenn sie in tiefer Seele litt. Ihre Blicke ruhten fest auf ihrem Mann, als suchte sie auf seinem Antlitz zu lesen. Er war ja auch einst flott gewesen, wie die jungen Leute da vorne, die den Sängerinnen Champagner auf die Bühne reichten. Gedachte sie vergangener Zeiten?