Spree-Afrika.

Ein zu allerliebster Mann, der Amtsrichter. Wenn ich nur erst eine Frau für ihn hätte. Ich habe freilich meinem Mann geloben müssen, nie wieder Menschen in ihr Glück zu stürzen, aber um den Amtsrichter wäre es ewig schade, wenn er als Junggeselle verbraucht werden sollte, und mit zarten Blumenstengeln auf die Annehmlichkeiten einer liebevollen Häuslichkeit hinweisen, liegt in dem Gelöbniß doch wohl nicht mit darin.

Und ich hoffe, er bekehrt sich noch, allein schon wegen der Gaskochmaschinen, mit denen es eine wahre Lust sein muß, einen Hausstand zu begründen. Von der elektrischen Küche will ich gar nicht reden: man stellt die Pfanne auf einen beliebigen Tisch, dreht die Schraube und der Eierkuchen ist fertig. Es ist erstaunlich, wie weit die Verfeinerung der Menschheit jetzt reicht. Vergleicht man hiermit die Wilden, glaubt man kaum in demselben Jahrhundert mit ihnen zu leben.

Für nur dreißig Pfennige Thoreinlaß treten wir in unsere Kolonieen, am Karpfenteich zwischen den Gebüschen malerisch gelegen, und können eine Vorstellung von unseren Erwerbungen in Afrika gewinnen.

Viele sind gegen Kolonialbesitz, viele dafür. Mein Karl war bisher der Meinung, er koste nur und brächte nichts ein. Onkel Fritz behauptet, wir müßten ihn haben, weil in absehbarer Zeit Deutschland so übervölkert würde, daß kein Platz mehr wäre. »Fritz,« sagte ich, »sie nehmen das Tempelhofer Feld zu.« — »Worauf sollen dann die Paraden abgehalten werden?« entgegnete er. Daran hatte ich nicht gedacht. Kolonialpolitik hat doch so ihre Eier.

Die Hütten der auswärtigen Eingeborenen sind für das Stralau-Rummelsburger Klima nicht geeignet, dagegen nach der afrikanischen Bauordnung einwandsfrei. Wie die Schwarzen froh sein werden, wenn sie sich wieder an der heimathlichen Sonne wärmen können und ihre Kultur-Sendung in Treptow erfüllt haben, und verwilderter zurückkehren als sie kamen.

Für mich ist es schier unmöglich, die einzelnen Stämme auseinander zu halten, welche die Suaheli sind und welche die Massai oder Dualla oder Papuas oder wie sie sonst geschrieben werden, zumal wenn sie sich mit rother Farbe geschminkt haben und wie anglühende eiserne Oefen aussehen. Seitdem ich obendrein weiß, daß die Papuas arg nach Menschenfleisch sind, geh' ich nicht dichte ran. Nächstenliebe mit Einbeißen ist nicht mein Fall.

Der Amtsrichter ist dem Kolonialischen geneigt und hat sich eingehend damit beschäftigt, schon allein, weil mit der Zunahme der Verbrecher doch vielleicht die Einrichtung von Strafprovinzen nothwendig wird.

»Herr Vetter,« fragte ich, »angenommen den Fall, Sie verdammen einen unverbesserlichen Rufti, dessen Geschäft in Messerstechen und ähnlichem Frevel besteht, nach Papuanien und die dunklen Reichsbrüder essen ihn auf, wäre das nicht eine verschmitzte Art Hinrichtung mit Umgehung des Gesetzbuches und zöge Ihnen Anklage zu?«

»Vorläufig noch nicht,« entgegnete er. »Aber es kann so kommen; dem grünen Tisch ist Alles möglich.«