»Warum wird er nicht anders bezogen? Wenn die alte Kulör nicht taugt, her mit einer frischen.«
»Das Grün frißt sich doch immer wieder durch,« sagte er. »Es ist der Grünspan des Staates, alt und ehrwürdig.«
»Aber giftig.«
Er lächelte. »Ein gesunder Organismus überwindet ihn.« — »Aber er spuckt.« — »Das Recht hat er.« — »Hat er doch etwas.« — »Was das Volk kneift, thut dem werdenden Geheimrath nicht weh,« sagte Onkel Fritz.
Unter diesen Gesprächen gelangten wir zu der Festung Qui-kuru qua Siki. Das ist ein heimtückisches Werk von außen und noch heimtückischer von innen. Die Wälle, dick und fest aus Palissaden und Lehm, sind mit hohen Stangen besteckt und obendrauf weißgebleichte Todtenschädel, die grinsen: Kommt nur heran, auf diese Manier wird hier frisirt. — Geht man durch das enge Thor und sieht die Gräben und Gänge, wie in einem Irrgarten, hat man nur einen Gedanken: hier wird abgemurkst! Entrinnen ist nicht. Immer tiefer flüchtet man in die Mausefalle hinein und findet den Ausweg nicht wieder. Und nun fangen sie an zu schießen. Bums hier, bums da aus den kleinen Löchern in den Wänden und schleichen hervor mit Beilen und Lanzen und massacriren die Eindringenden. Höchst schaudervoll.
Obgleich diese Festung nur ein Stück Nachbildung der echten ist, kann man begreifen, daß solche Verschanzung für die Eingeborenen unüberwindlich war und selbst unseren Truppen nicht beim ersten Anrennen erlag. Aber wir kriegten sie und als sie sich nicht mehr halten konnte — Krupp vertrug sie nicht — da gab es einen Mordsknall. Der Häuptling Sike, ein unangenehmer Herr, der sich unseren humanen Sklavereiaufhebungsbestrebungen widersetzte und nebenbei Branntwein trank, hatte sich mit seiner Familie und seinen Schätzen auf ein Pulverfaß gesetzt und in die Luft gesprengt. Vier Tage hat die Festung gebrannt, mit Erdöl getränkt. Der Sieg war unser und die Kriegsentschädigung wurde in Elfenbein ausgezahlt. Aus dem Elfenbein werden Klaviertasten gesägt und die Klaviere gehen wieder nach Afrika zur Verbreitung der Kultur, die erst ihren Gipfelpunkt erreicht, wenn die Töchter der Wilden ebenso auf dem Piano herumrudern können, wie unsere.
Doch das hat noch gute Wege, denn von erhöhter Bildungsarbeit haben sie keinen Dunst. Ihre Hauptbeschäftigung ist herumlaatschen und sich die Zeit mit Langweile vertreiben. Man liest ja auch, daß verschiedene Stämme unter Tänzen und Freuden dahinleben, ohne die Sorge des Lebens zu kennen. Und das ist wahr, viel Sorgen machen die Weiber sich nicht. Wenn sie kochen, besteht ihre Maschine aus ungehobelten Feldsteinen und um ihr Geschirr zu scheuern, greifen sie beliebig in den neben ihren Füßen befindlichen Erdboden, nehmen eine Handvoll und klarren Pfannen und Kessel damit aus. Wenn das nicht sorglos ist, weiß ich nicht, was sonst! Vielleicht ihre Kleidung? Was die Kinder anbetrifft, die haben blos Natur an. Sonst sind sie süß. Es muß an den Augen liegen. Kinderaugen sind doch wohl auf der ganzen Welt dieselben.
Es war eine Mutter vor einer Hütte. Sie saß im Grase und spielte Pitsche-Patsche mit ihren Kleinen. Die jauchzten vor Lust und das junge Weib strahlte vor Glück. Ihre Augen leuchteten, ihre Lippen lächelten und die weißen Zähne schimmerten beneidenswerth. Ich glaube, die Liebe ist auch dieselbe, so weit die Erde rund ist.