»Ackerstraße,« sagten sie, als wenn Berliner Schusterjungen gefärbt wären.

Es wird eben so viel gefälscht, daß die Leute bald an nichts Echtes mehr glauben.

So etwas verdrießt. Und gar zu viel Handel und Unfug treiben sie. Nicht die Egypter, nein die wirklich aus der Ackerstraße mit einem Tarbusch auf dem Kopfe und Pantinen im Benehmen.

Der Vetter verstand, das Echte vom Unechten zu scheiden, und Erika war wie in der Welt der Phantasie, die nahm das Ganze, wie es sich bot. Mit den Beiden die Bazargassen zu durchwandern, das war ein Vergnügen. Ich zeigte ihnen die vergitterten Haremsfenster. — »Arme Frauen,« sagte Erika.

Und in der Arena, die Beduinen auf ihren arabischen Pferden, wie sie daherstürmten und aus ihren langen Flinten schossen. Selbst Onkel Fritz meinte: »Hier könnte Renz auf die hohe Schule gehen.« Und der Hochzeitszug mit Kameelen und Sänften und dem farbigen Egyptervolk. Wer das sah, kann sagen, er hat ein Stück Orient gesehen.

Und alles das, die ganze Stadt doch nur ein Sommertagtraum. Wo jetzt die Moscheen stehn und die krummen Straßen Kairo sich hinziehen, grünen im nächsten Frühjahr die Kornfelder und wo der Muezzin zum Gebet rief, singt die Lerche. Kein Edfu-Tempel, keine Pyramide mehr, dahin, dahin. Und der Wind, der die Palmen nicht mehr findet, eilt weiter über die märkische Ebene, wie er gewohnt ist von jeher. Dann sind die Egypter bei den ihrigen und erzählen von Berlin Kebir, dem großen gewaltigen Berlin, und wir erzählen uns von der Märchenstadt am Nil, die zu Besuch war an der Spree.

Die Pyramiden sind ein Weltwunder des Alterthums. Daß sie mit Sack und Pack auf Reisen gehen, das ist ein Weltwunder unserer Zeit. Was unsere Nachkommen wohl anstellen, um die Vergangenheit zu überbieten? Denn mehr als Radschlagen kann der Mensch nicht.