»Aber er war noch lange nicht über das Wasser. Wenn Herr Viedt ihn nicht mitnahm?«

Ich hatte wenigstens die Briefe, damit konnte er nichts mehr anstiften.

Ich las sie zu Hause durch. Unverantwortlich überschwänglich mit himmlisch und entzückend, mit Liebe und Daseinswonne und Seligkeiten und doch kein Satz aus dem Herzen, sondern aus Büchern, ebenso wie ihre Wissenschaften eine bloße Behaltssache mit dem Kopfe; nichts Innerliches. Solchen Brast hatte ich oft genug gelesen; wahrscheinlich in denselben Romanen, woraus Ottilie sich mit Liebesweisheit belernte. Nein, geliebt hat sie Kriehberg nie. Es war die reine Gymnasialpoussade, nicht mehr und nicht dauerhafter, ohne einen Fleck zu hinterlassen, obgleich man nie vorsichtig genug sein kann! Umgang färbt ab.

Und doch der Schreck, als Kriehberg am Spätnachmittage erschien... Natürlich Herrn Viedt vor den Kopf gestoßen und der Tanz beginnt von Neuem, war meine feste Ueberzeugung.

Aber gottlob nein. Der Himmel hatte ein Einsehen gehabt mit meinen Leiden. Er war angenommen, am folgenden Tage ging es nach Hamburg und von da in die neue Welt, neuem Leben entgegen. Nun wollte er mir danken.

»Herr Kriehberg,« sagte ich, »daß Sie glauben, mir Dank schuldig zu sein, nehme ich als ein Zeichen Ihrer Reue an, im Uebrigen will ich Ihren Dank nicht. Was ich für Sie ausgelegt habe, steht zu Buch. Sie werden mir es wiedererstatten, wenn Sie in Dollars wühlen. Wir haben blos geschäftlich miteinander zu thun. In meiner Zuneigung haben Sie weder Sitz noch Stimme.«

»Wenn Sie wüßten, wie die Gesellschaft mich behandelt hat, diese selbstsüchtige, verlogene Brut, die mir feindlich gesonnen ist von jeher, die mich nie verstanden hat...«

»Ach was, Gesellschaft! An Ihnen liegt es, daß Sie überall gegen rennen. Sie wollen mehr für Ihr Bischen Können haben, als es werth ist, das ist Ihr Zorn. Verstehen Sie die Welt, dann werden Sie wieder verstanden werden.«

Das mochte er nicht hören, er empfahl sich mit einer kurzen Verbeugung und verschwand. —