Das Schiff ist so hoch wie ein vierstöckiges Haus und liegt auf dem Lande, wenn auch mit der Spitze in die Spree hineingebaut. Von hier oben nun hat man eine Aussicht, die nicht zu beschreiben ist. Nach Westen zu das große, weite Berlin mit unzähligen Fabrikschornsteinen, die qualmen und rahmen, und wenn die Sonne scheint, blitzt es ab und zu goldigglänzend von einer Kuppel oder der Siegessäule oder was sonst auf blank gearbeitet ist. Nach Rechts, nach der Eierhäuschengegend und Sadowa, ist grünes Gefilde mit Waldbegrenzung, eine echte Spreelandschaft, bildschön für Einheimische, und für Ausheimische eine freundliche Bitte, die Berliner Umgegend nicht blos zu lesen und zu höhnen, sondern zu betrachten und der Wahrheit die Ehre zu geben.

Und nun erst die Spree. Die Südsee ist breiter, das gebe ich zu, und die Elbe auch und, wie klein die Schiffe sind, das mißt man sofort durch Vergleiche mit dem Kaiserschiff ab, aber dies Leben, dies Gondeln, diese Rührigkeit zur Ausstellungszeit, das Alles ist die Märchenhaftigkeit der Wirklichkeit. Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, schwindet auch dies lebendiges Bild aus dem Leben der Großstadt. Und kommt nie wieder.

Deshalb soll und muß Erika hinauf auf die Commandobrücke des Kaiserschiffes und ich will nichts weiter betrachten als ihre lieben blauen Augen, die All dies Schöne auftrinken und leuchten wie Kinderaugen am Weihnachtsfest. Sie spricht dann nicht viel, weil ihre Seele sammelt, aber im Winter, nach Jahr und Tag, bei rechter Gelegenheit, fängt sie davon an und hilft unserm Erinnern auf, bis wir wieder vor uns sehen, was uns Freude machte. Sie erzählt keine längere Feuilletons, o nein. Ein kleiner Satz, oft nur ein Wort und fertig ist die Laube, als säße man darin und hörte die Nachtigall singen. Die kleine Wilhelmine muß natürlich mit. Heut zu Tage kann die früheste Jugend nicht genug anschauen; es ist mehr Wissen vorhanden, als das Leben lang ist.

Onkel Fritz dagegen darf unter keinen Umständen mit hinauf. Wenn der dort oben steht und hat die Gegend ausgekundschaftet, er dann gerufen: »Herrjeh, ist das gegenüber nicht Stralau? Und das links... das ist ja Tübbecke!« Und dann die Hände als Sprachrohr an den Mund und geschrieen:

»Kellneer, einmal grünen Aal!« — Nein, er bleibt irgendwo an einem näßlichen Orte; es giebt ja vorzügliche Weißen draußen. Außerdem hänge ich ihm Ottilie an die Rockschöße.

Wie freue ich mich auf die kommende Zeit.